Factus est DominusDer Herr ist gemacht, 2. Sonntag nach Pfingsten
FaksimileFaksimĭle (lat. fac simile, mache ähnlich!), eine dem Original vollkommen ähnliche Reproduktion, z. B. alter Manuskripte, der Handschrift berühmter Personen, Miniaturen, Handzeichnungen etc. Ein gutes Faksimile entspricht der Vorlage in Größe, Farbe und Erhaltungszustand.
FaktotumFaktotum (lateinisch fac totum: Mache alles!) ist ein im 17. Jahrhundert aufgekommenes Fremdwort zur Bezeichnung einer Person, die in einem Haushalt, Betrieb oder einer sonstigen Organisation (z. B. Kloster, Schule) eine Vielzahl von Aufgaben wahrnimmt. Eine solche Person wird umgangssprachlich auch zuweilen (unabhängig vom Geschlecht) "Mädchen für alles" genannt.
Als Faktotum kann je nach Kontext und Organisationstyp eine unentbehrliche Hilfskraft in einer gehobenen Vertrauensstellung bezeichnet werden oder ein Mitglied des Hauspersonals, das alle diejenigen Arbeiten übernimmt, für die keine besondere hauswirtschaftliche Qualifikation vorausgesetzt wird.
FallgutGut, welches bei jedem Todesfall des Besitzers dem Gutsherrn wieder anheimfällt, wenn er nicht die Erben aufs neue damit belehnt. Auch: Falllehen, leibfälliges Lehen, Feudum mobile.
Familienname von FrauenBei Familiennamen von Frauen wird die Endung -in oder -en angehängt: z.B. Wagner -> die Wagnerin
Famulusweiblich: Famula. Lat. „Gehilfe“, „Diener“, „Knecht“, Plural famuli, eigentlich Familienangehöriger. Heute oft eine studentische Hilfskraft oder jemand, der eine Praktikum absolviert (z. B. Medizin-, Jura- oder Pharmaziestudenten)
Faßlareiter (Fässchenreiter) Person mit krummen Beinen
FatschenFatschen, oder Faschen, (von lat. fascia Bündel, Wickelband), oder Wickeln bezeichnet man eine jahrtausendealte Praxis der Säuglingspflege. Dabei wird das Baby fest mit Stoffbinden umwickelt, so dass es sich nicht mehr bewegen kann. Es wird dann als Fatschen- oder Wickelkind bezeichnet.
Ein Fatschenkind, auch Fatschenkindl, Fatsche, Windelpaket, Büschel (Sudetenland), „Spielzeug“ (in Südtirol), ist ein Andachtsbild oder auch ein Gebildvotiv des Jesuskindes, das vor allem in Süddeutschland und Österreich verbreitet war. Die mit Bändern gewickelten („gefatschten“) Bildnisse bestehen zumeist aus Wachs, es sind jedoch auch Fatschenkinder aus Schmiedeeisen oder bemaltem Holz erhalten.
Fäule (Krankheit)Geschwürbildung, Krebsgeschwür, Kaat
Fauteuilvon französisch: fauteuil. Lehnstuhl, Lehnsessel oder Armsessel, ist ein gepolstertes Sitzmöbel mit Armlehnen, das besonders im 17. bzw. 18. Jahrhundert in Mode war.
Fauxpasfranzösisch: le faux pas, aus faux „falsch“ und le pas „der Schritt“. Ein Fehltritt im übertragenen Sinne, also ein unbeabsichtigter Verstoß gegen ungeschriebene Umgangsformen. Im 18. Jahrhundert fand der Begriff Eingang in den gehobenen Sprachgebrauch.
FederschleißenDas Federschleißen (auch Federnschleißen oder Federnrupfen) ist ein alter, gemeinschaftlicher Winterbrauch im ländlichen Raum. Dabei wurden Gänse- und Entenfedern von ihren harten Kielen befreit (geschlissen), um die feinen Daunen als weiche Füllung für Bettdecken und Kissen zu gewinnen.
FegemehlAbfallmehl in Backstuben oder Mühlen. Mit dem Besen zusammengefegt.
Fehlgeburtabortivus, abortus
Feingeiger Pingelige, übergenaue Person
FeinsliebchenVeraltet: Geliebte, Liebste
FeistkoppeDie höchste der Tassauer Berge im nordwestlichen Ausläufer des Adlergebirges, mit Aussichtspunkt, 670m
FeldscherDer Feldscher (Mehrzahl: Feldschere) ist ein Heilkundiger, der früher Verwundungen von Soldaten chirurgisch versorgte. Ab dem 18. Jahrhundert durchlief er teilweise eine akademische Ausbildung.
Die Ausbildung erfolgte bei halbprofessionellen Laien: dem Bartscherer, Barbier, Bader, dem Hufschmied und, selten, dem sozial geächteten Scharfrichter (der seine anatomischen Kenntnisse z. B. an der Folterbank erlangte). Auch: Feldchirurg oder Wundarzt.
FelleisenEin Felleisen ist ein meist lederner Rucksack, wie er früher von wandernden Handwerksburschen getragen wurde. Möglicherweise hergeleitet von franz. Valise, im Altfranz. Fouillouse für Koffer.
FemeFeme (auch veme von mittelniederdeutsch veime = Strafe) steht für die Gerichtsbarkeit von Femegerichten, einer Form der mittelalterlichen Strafjustiz, und auch für die von diesen verhängten Strafen. Es bedeutete auch „Vereinigung, Bund der zum gleichen Gericht gehörenden Freien“. Zugleich wurde es auch als Bezeichnung für den Landfrieden verwendet.
Im späten Mittelalter entwickelten sich Begriffe mit Bezug auf Strafvollstreckung: Vememeister als Umschreibung für den Nachrichter oder Henker, vemen für verurteilen, strafen, Vemestat für Richtstätte. Weitere Bezeichnungen der Gerichte sind z. B. Femgericht, Femegericht, Vehmgericht, sowie „Freigericht“ oder „Freistuhl“.
FersengeldFersengeld geben (ugs. scherzhaft) für davonlaufen, fliehen. Die genaue Herkunft ist unklar. Die Redewendung wurde schon im Mittelalter als Bezahlung mit der Ferse, d.h. als Zuwendung mit der Ferse statt Begleichung einer Schuld - beim heimlichen Verlassen einer Herberge aufgefasst. Ursprünglich kann Fersengeld auch das Bußgeld eines Flüchtigen gewesen sein. Sie könnte auf den alemannischen Rechtsbrauch des Strafgeldes für Flüchtlinge aus der Schlacht zurückgehen, da man von diesen nur noch die Fersen zu sehen bekam.
festum omnium sanctorumAllerheiligen
Feuer (Krankheit)Entzündung, Pocken, Scharlach
FeueressenlochSteilhang unterhalb der Schweizerei (Berggasthaus) am Schneeberg. Das Grenzflössel oder der Schwarze Born stürzt dort zu Tale und vereinigt sich dann mit dem Schneewiesenwasser zum Schwarzwasser.
FibelFrüher das erste Lesebuch für Kinder, Anfänger, ein ABCbuch. Auch ein bebildertes Handbuch oder Nachschlagewerk zu einem bestimmten Thema. wurde als Fibel bezeichnet. Fibel von lat. Fibula bezeichnete auch eine metallene, dem Prinzip der Sicherheitsnadel entsprechende Gewandnadel.
FichtigKolonie bei Ludwigsdorf
Fideikommisslateinisch fidei commissum ‚zu treuen [Händen] belassen‘ ist eine Einrichtung des Erb- und Sachenrechts, wonach durch Stiftung das Vermögen einer Familie, meist Grundbesitz, auf ewig geschlossen erhalten werden sollte und immer nur ein Familienmitglied allein, der Fideikommissbesitzer, das Nießbrauchsrecht innehatte.
FidibusEin harzreicher Holzspan oder ein gefalteter Papierstreifen, der als Hilfe zum Feuermachen diente, auch zum Anzünden von Pfeifentabak.
FiliaTochter. filiola = Töchterchen
FiliusSohn (latein.). filiolus = Söhnchen
filius naturalis"leiblicher Sohn", im Kirchenbuch verwendet für ein uneheliches Kind
FinkenhübelKolonie bei Niedersteine
FleckfieberFleckfieber, Kriegspest, Läusefieber, Läusefleckfieber, Lazarettfieber, ungarische Krankheit, Faulfieber. Infektion mit Bakterien, die durch Läuse übertragen wird.
FlickschusterAltbüßer, Altbutzer, Altlapper, Altmacher, Altplacker, Altreis, Altreusz, Altflicker, später auch: Altwarenhändler
FlorianbergBerg bei Habelschwerdt. Um 1646 wurde auf dem Hopfenberg eine Florian(s)kapelle errichtet. Seitdem hieß der Berg Florian(s)berg. Der hl. Florian ist der Patron der Stadt. Der Holzbau wurde von 1724 bis 1725 durch eine neue Kapelle aus Stein ersetzt. Beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänge der Habelschwerdter Stadtbewohner.
fontinariusBrunnenmeister, Brunnenbauer
Fort CarlIm Jahr 1790 wurde der Bau des Fort Carl (polnisch Fort Karola) durch den preußische Major Johann Bonaventura von Rauch südwestlich von Wünschelburg vorgenommen. Er wollte die natürlichen Vorzüge der Großen Heuscheuer zur Verteidigung nutzen. Der Bau spielte eine wichtige Rolle bei der Verstärkung der schlesischen Grenze im Fall eines drohenden Krieges mit Österreich. Dabei wurde auch ein Fußweg auf die bisher unerschlossene Heuscheuer angelegt.
Fort Wilhelm1790 erbautes ehemaliges preußisches Festungsbauwerk südlich von Hüttenguth, oberhalb von Voigtsdorf im Habelschwerdter Gebirge. Benannt wurde das Fort nach König Friedrich Wilhelm II., der die Festung nach der Fertigstellung 1792 besichtigt hatte. Mauerreste des Forts haben sich bis in die heutige Zeit erhalten.
FourageAuch Furage oder Fourragierung (frz. fourrage), ist eine veraltete militärische Bezeichnung für Pferdefutter: Hafer, Heu und Stroh; daher furagieren, Pferdefutter bzw. Verpflegung für die Truppe herbeischaffen.
FraisFraisen, Fraiß. Ein historischer, volksmedizinischer Begriff für schwere Krankheiten, die sich durch heftige Anfälle, Krämpfe, Fieber, Tobsucht und Zittern äußerten. Häufige Todesursache in Kirchenbüchern bei Kleinkindern.
Die Ursachen wurden im Volksglauben oft in Angst, Schrecken oder dämonischen Kräften vermutet (abgeleitet von mittelhochdeutsch "vreise" für Not/Angst), während die medizinischen Gründe Infektionskrankheiten, Rachitis oder Mangelernährung waren, die zu Fieberkrämpfen führten. Schutzmaßnahmen waren "Fraisenketten" und "Frais-Briefe", die vor dem bösen Blick oder Dämonen schützen sollten.
Mundartl: Fraase
Fränkische BauweiseDie Gebäude sind durch ein Gärtchen von der Dorfstraße getrennt und in Form eines länglichen Vierecks um einen Hof herum angeordnet. Ein Doppeltor für Fußgänger und Wagen führt hinein. Auf der linken Seite befindet sich das Wohnhaus, daran schließt sich der Kuh- oder Pferdestall an. Gegenüber ist das Ausgedingehaus. Im hinteren Bereich liegt die Scheune.
frankoMit franko oder franco werden in der Kaufmannssprache Lieferungen bezeichnet, bei denen der Versender die Frachtkosten trägt und dem Empfänger kein Porto beziehungsweise keine Transportkosten in Rechnung gestellt werden
frappantverblüffend, überraschend
FreigärtnerBesitzer einer Kleinbauernstelle mit landwirtschaftlichem Besitz, ohne Dienstpflichten (Robot) bei der Herrschaft
Freirichter / FreyrichterPrivilegierte Klasse von Grundbesitzern, die als Dritter Stand dem Glatzer Landtag angehörten
FriedhofsumgängeÜberdachte Umgänge an der Innenseite der Außenmauern von Friedhöfen. Besonderheit in Altwilmsdorf, Eisersdorf und Rengersdorf. An den Wänden waren Grabsteine, Bilder und Kreuzwegstationen u. ä. angebracht.
FrühstücksstubenWurden meist von Metzgern vor dem 1. Weltkrieg betrieben. Für wenig Geld bekam man dort warme Wurst mit Brötchen. An Markttagen und zur Zeit der Wallfahrt herrschte dort großer Andrang.
FundationEine Stiftung, welche mit Hilfe eines Vermögens einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgt
fürbassaus dem Mittelhochdeutschen vüerbaz für vorwärts, weiter.