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Damals Familienforschung Grafschaft Glatz Kreis Neurode

Migration aus dem Braunauer Ländchen

Beitragsbild Kloster Braunau um 1850 https://de.wikipedia.org/wiki/Broumov

Das Foto zeigt die Landkarte vom Braunauer Ländchen
Karte vom Braunauer Ländchen http://www.heimatkreis-braunau.de/frames.htm

Die Grafschaft Glatz war 800 Jahre ein Teil von Böhmen. Daher hat diese Region mit dem Braunauer Ländchen aufgrund ihrer Struktur und der historischen Entwicklung viele Übereinstimmungen.

„Die Schlesischen Kriege bedeuteten ein schweres Verhängnis für die Stadt Braunau und die ganze Herrschaft, nicht nur wegen des Durchzugs der Truppen und der Plünderungen, sondern auch durch die preußische Besetzung von Schlesien und Glatz, mit denen Braunau bis dahin über Jahrhunderte intensive Handels- und kulturelle Beziehungen unterhielt. Die Barockkultur aber überlebte in ihren volkstümlichen Formen im Braunauer Land bis in das 19. Jahrhundert. Die Sprache war hier, wie auch im benachbarten Schlesien, überwiegend deutsch.“ (Quelle:  Spezifika der Slawisierung der ehemals überwiegend deutschsprachigen Gebiete in Ostmitteleuropa, Dissertation von Hana Svobodová, Seite 32)

Familienforschung

Wer in den ehemaligen 5 „Königsdörfern“ (Hausdorf, Königswalde, Kunzendorf, Ludwigsdorf und Volpersdorf) in der Neuroder Gegend forscht, sollte das Braunauer Ländchen nicht außer Acht lassen. Diese Orte liegen unmittelbar an der Grenze zu Böhmen im Norden der Grafschaft Glatz. Auch bei Recherchen nach Vorfahren und toten Punkten in der Gegend um Tuntschendorf und Wünschelburg ist ein „Blick über den Zaun“ sinnvoll. Erfreulicherweise stehen die meisten Matriken des Braunauer Ländchens digitalisiert zur Verfügung. Sehr hilfreich dabei ist die Website der Braunauer Ahnenforschung mit Information zu den Pfarreien und den Archiven in Zamrsk und Nachod sowie eine Datenbank mit mehr als 100.000 Personen. Die meisten Daten stammen aus den Matriken der Pfarreien, aber auch Freundschaftsbücher, Mannschaftsbücher, Seelenlisten etc. wurden ausgewertet. Um diese Datenbank zu nutzen, ist eine kostenlose Registrierung erforderlich.

Heiraten über die Grenze

Nach Erzählungen meiner Familie gab es bis ca. 1938 den kleinen Grenzverkehr (incl. Schmuggler, auch Pascher genannt), teils über Waldwege. Die Entfernungen waren gering, so zeigt Komoot eine Entfernung von ca. 10 km über das vorhandene Wegenetz zwischen dem Kloster Braunau und dem Bahnhof Niederkönigswalde an. Also Entfernungen, die man früher leicht zu Fuß oder per Fuhrwerk überwunden hat.

Freundschaftliche Beziehungen und familiäre Verbindungen kannten keine Grenzen. Geheiratet wurde über die schlesisch-böhmische Grenze hinweg, was zahlreiche Einträge in den Kirchenbüchern der einzelnen Orte im Braunauer Land sowie der Grafschaft aufzeigen.

Ein Foto von Schönau heute Šonov im Braunauer Ländchen
Schönau heute Šonov im Braunauer Ländchen mit Blick auf das Heidelgebirge, links die Pfarrkirche St. Margaretha, rechts geht es in Richtung Grafschaft Glatz

Auswanderung nach Preußen

Meine Urgroßmutter Anna Richter von Schönau migrierte mit ihren Eltern und 2 Brüdern ins Glatzer Land nach Königswalde. In dem Traueintrag ihrer Eltern Anton Richter und Theresia Oppitz im Jahre 1858 wurde nachträglich vermerkt „Auswanderung nach Preußen am 11.10.1876“.

Eintrag der Trauung Anton Richter und Theresia Oppitz am 09.11.1858 lt. Trauregister Rosenthal bei Braunau
Eintrag der Trauung Anton Richter und Theresia Oppitz am 09.11.1858 lt. Trauregister Rosenthal bei Braunau (letzter Eintrag unten)

Ursache der Abwanderung

Der Deutsche Krieg oder Preußisch-Österreichischer Krieg von 1866 und seine wirtschaftlichen Folgen hatten eine Auswanderungswelle aus den Braunauer Dörfern zur Folge. Im 19. Jahrhundert gab es dagegen in der Grafschaft Glatz einen Ausbau der Industrie. Entscheidend war auch der Bergbau in der Neuroder Region  mit Förderung der Steinkohle.

Auswanderung nach Südamerika

Nicht nur in die Grafschaft Glatz, sondern vor allem nach Chile, übersiedelten die Braunauer. Zwischen 1872 und 1875 erreichten die böhmisch-deutschen Siedler ihre neue Heimat, darunter auch Schlesier. Es waren in etwa 99 Familien mit insgesamt ca. 360 Personen, die mit vier Schiffen von Hamburg aus nach Chile reisten. So wurde 1875 nördlich von Puerto Montt der Ort Nueva Braunau gegründet. (Quelle:  Beitrag: „Von Braunau nach New Braunau, Geschichte der deutschen Siedler, die zwischen 1872 und 1875 aus dem Kaiserthum Österreich nach Chile kamen“ in Braunauer Rundbrief, 1/2023 78. Jahrgang, Seite 10 bis 12)

Ergänzung

Aus dem Ort Barzdorf migrierten insgesamt 28 Personen nach Chile, darunter meine Vorfahren. Dies basiert nicht nur auf Papierforschung, sondern wurde kürzlich auch durch einen DNA-Test ermittelt.

3 Antworten auf „Migration aus dem Braunauer Ländchen“

Liebe Ursula,
wieder mal ein spannender Beitrag!
Ich bin beeindruckt und bedanke mich.

Liebe Grüße
Angelika

Thank you for this interesting article. I live in this area and have rebuilt one old house which Sudetten Germans lived in till the end of the 2nd World War. It’s exciting to research their destiny and history in general.

danke für den Beitrag, hat mich sehr viel weiter gebracht konnte Gottschlich, Tilch und Drechsler bis nach Braunau zurück verfolgen dadurch.

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