Besonderheiten in der Grafschaft

In den Kirchenbüchern und den Personenstandsdaten tauchen oft alte Begriffe zu Berufen oder zum Familienstand auf, die regional unterschiedlich sind. In der folgenden Tabelle finden Sie häufig genutzte aus dem Regionalbereich unserer Forschungsgruppe.

Bezeichnung in Kirchenbüchernkurze Erläuterung
Familienname von FrauenBei Familiennamen von Frauen wird die Endung -in oder -en angehängt: z.B. Wagner -> die Wagnerin
AusgedingeEin Altenteil
Ausgedinger / AuszüglerLebt im Ausgedinge (Altenteil)
Bauer / PauerBauer mit Hof, Grund und Vieh
BauerngutsbesitzerBesitzer eines Gutes mit Landwirtschaft und anderen Erwerbszweigen von bäuerlichen Produkten
DrohtbenderDrahtbinder, der in den Dörfern Drahtzäune und Drahtkörbe flickte
Druschma / DruschmerHochzeitsbitter, Hochzeitslader
FreigärtnerBesitzer einer Kleinbauernstelle mit landwirtschaftlichem Besitz,
ohne Dienstpflichten (Robot) bei der Herrschaft
Freirichter / FreyrichterPriviligierte Klasse von Grundbesitzern, die als Dritter Stand dem Glatzer Landtag angehörten
GärtnerBesitzer einer Kleinbauernstelle mit landwirtschaftlichem Besitz, meist hatten sie noch eine andere Tätigkeit (z.B. Handwerk).
Es gab auch Robot- und Dreschgärtner, die zum Dienst bei ihrem Grundherrn verpflichtet waren.
GelbgießerHandwerker, der spezialisiert ist auf den Messingguss kleinerer Gegenstände
HausgenoßOhne Grundbesitz
HäuslerHausbesitzer mit wenig Grund, meist nur mit einem Gemüsegarten (auch Chalupner, Kalupner genannt)
InwohnerMieter in einer Wohnung oder in einem Haus
KirchvaterKirchenältester
Kolonist / ColonistSiedler, der in einer Kolonie wohnt, hat auch ggf. seinen Grund urbar gemacht hat
KretschamGastwirtschaft
Kretschmer / Schänker / SchenkerGastwirt
Neustückner / NeustückerKolonist/Siedler, der ein neues Stück Land gerodet und bebaut hat
SalzversilbererEin kaiserlicher Beamter, der den Salzhandel verwaltete, ferner verstand man darunter auch einen im Salzhandel tätigen Einzelhändler
Schol(t)ze / Gerichtsschol(t)zeOrtsvorsteher
GerichtsgeschworenerSchöffe, Mitglied des Orts-/Dorfgerichtes
SpeilhoblerHandwerker, der aus Holz Wurstspeile herstellte, die man zum Verschließen des Wurstzipfels benötigte
StellenbesitzerHat Grundbesitz, kann Bauer, Gärtner oder Häusler sein
StückmannEin Bauer, dessen Grundbesitz in einzelnen Stücken im Ort verstreut ist (kein zusammenhängender Besitz),
insbesondere im Raum Habelschwerdt zu finden.
Toopstrickerauch Topfstricker genannt. In der Gegend um Altweistritz war das "Kittmannla" bekannt. Ein Männchen mit langem Bart. Zerschlagene Bunzeltöpfe umstrickte man mit einem Drahtgeflecht, wobei ein haltbarer Kitt verwendet wurde. Der Gewerbetreibende dieser Art war der "Toopstricker".
VorwerkerWohnte am Außenwerk einer Festung, oder auf einem abseits liegenden Hof oder Bauerngut
Wittib / WittiberWitwe / Witwer (Abkürzung Wwe., Wwr.)
WeilandPerson lebt nicht mehr, bereits verstorben
(Abkürzung weil. oder weyl.)