Für Familienforscher spielen die in den Taufbüchern aufgeführten Paten eine wichtige Rolle, da man mit ihnen manchmal familiäre Verbindungen auffinden kann. Viele Namen tauchen immer wieder auf und manche Taufpaten konnten im Laufe der Jahre durchaus zehn Täuflinge oder mehr „ansammeln“. Für die Kindstaufe war es üblich, zwei oder auch mehr Paten für den Täufling auszuwählen. Es galt als große Ehre, zum Patenamt gebeten zu werden. Selbst wenn es bisher keine verwandtschaftlichen Beziehungen gegeben hatte, so gehörten Paten ab der Taufe ihres Patenkindes zur Familie.
In den Kirchenbüchern wird zwischen dem “Levans” und den “Testes” unterschieden.
“Levans” ist der Taufpate, der den Täufling aus der Taufe hebt (von lateinisch: levare = aufheben, emporheben). Ursprünglich kam dieser Begriff wohl vom vollständigen Untertauchen und Emporheben aus dem Taufwasser, als Symbol für Tod und Auferstehung. Heute wird dies fast nur in der orthodoxen Kirche oder bei der Taufe von größeren Kindern oder Erwachsenen z. B. in freien Gewässern, in Anlehnung an die Taufe Jesu im Jordan praktiziert.
Mit den “Testes” werden die Taufzeugen bezeichnet. Normalerweise findet man mindestens zwei Zeugen vor, bei höhergestellten bzw. adeligen Eltern sind zwölf Zeugen oder mehr keine Seltenheit. Bei unehelichen Kindern wurde oft der ohnehin in der Kirche anwesende Glöckner oder ein Kaplan als Zeuge dazu gebeten. Bei Kindern mit einer geringen Überlebenswahrscheinlichkeit nach der Geburt, bei denen man den Eindruck hatte, die Taufe sei sehr eilig, wurden oft Passanten von der Straße hereingeholt. Hier sucht man vergeblich nach einer familiären Verbindung.
Die Paten hatten früher mehrere Aufgaben. Sie sollten dem Kind bei seiner persönlichen Entwicklung und christlichen Erziehung als Vorbilder und Bezugspersonen zur Seite stehen. Das Wort Pate leitet sich vom lateinischen pater spiritualis („geistlicher Vater“) oder patrinus („Väterchen“, „Gevatter“) ab, was wiederum auf pater („Vater“) zurückgeht.
Im Falle des Todes der Eltern waren sie zumindest moralisch verpflichtet, bei minderjährigen Kindern deren Stelle einzunehmen. Manchmal wurde von ihnen die Vermittlung einer Lehrstelle oder ersten Arbeitsstelle erwartet.
Nach einem alten Brauch gestaltete sich die Zeit bis dahin recht kostspielig. Von der Taufe bis zum Ende der Schulzeit konnten sich Grafschafter Kinder auf ein jährliches Geschenk am Gründonnerstag freuen. Der Tag traf oft mit der Zeit der Aussaat und dem „Großen Reinemachen“ zusammen, sodass die Paten der Kinder nicht am Gründonnerstag, sondern meist an den Osterfeiertagen zum Kaffee geladen wurden, da die Eltern sich erst dann die Zeit für die Bewirtung nehmen konnten. Die Paten erschienen mit einem verheißungsvoll großen Henkelkorb und die Kinder warteten artig auf die Gabenverteilung. Es wurde nicht nur das Patenkind bedacht, sondern auch die Geschwister. Aus dem Korb kamen Striezel, Kuchen (einer davon gerne in der Form eines Osterlamms), Pfefferkuchenmänner und -herzen, Zuckerfiguren und vieles mehr zum Vorschein.
Der letzte Gründonnerstag vor dem Schulabschluss wurde „Oabgewehnlich“ (der Abgewöhnliche) genannt und fiel besonders großzügig aus, um über den zukünftigen Wegfall der jährlichen Gabe hinwegzutrösten und als ein lebenslanges Andenken. Jungen erhielten zu diesem Zeitpunkt als letztes Patengeschenk manchmal eine Taschenuhr überreicht, Mädchen ein Gebetbuch oder ein anderes Geschenk mit praktischem Nutzen.



