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Damals Familienforschung Grafschaft Glatz

Die Freirichter in Ludwigsdorf

Dies ist ein Schultheiß
Ein Schultheiß. Holzschnitt von Peter Flötner (16. Jahrhundert)

Bei den Freirichtern handelte es sich um eine besondere privilegierte Klasse in der Grafschaft Glatz. Sie gehörten als Dritter Stand zum Glatzer Landtag und waren die Vertreter der Freibauern. Freirichter gab es nur in Dörfern, in Städten waren es die Vögte.

Sie stammen häufig von den Lokatoren ab, die für die Besiedlung der Deutschen im Mittelalter und Urbarmachung von zugewiesenem Land zuständig waren. Urkundlich erstmals erwähnt sind die Freirichter 1337 in der Grafschaft. Sie waren Grundbesitzer und lebten auf einem Freirichtergut. Die Freirichter standen dem Dorfgericht vor, das aus Schöffen bestand, die von den Dorfbewohnern gewählt wurden.

„Die Scholzen (Freirichter) hatten gegenüber den Grundherren besondere Rechte. So waren sie rechtlich nicht den Grundherren oder einem Erbrichter in Neurode unterstellt, sondern rechtszuständig war das Glatzer Schöffengericht. Die Scholtiseien waren königliches Eigentum und den Scholzen als Lehen verliehen“. (Quelle: Buch „Ludwigsdorf im Eulengebirge“ von Eberhard und Rita Völkel 1999, Seite 82)

Nach der „Böhmischen Rebellion“ gegen die Habsburger stellten sich einige Freirichter auf die Seite des „Winterkönigs“. So verloren sie im Jahre 1622 ihre Standeseigenschaft. Ihre Sonderrechte erhielten sie aber 1652 gegen Zahlung einer größeren Geldsumme zurück.

Ein besonderes Privileg war es, dass das Amt des Freirichters samt Erbe und Besitz auch in weiblicher Linie vererbt werden konnte. Das zeigt uns nachstehendes Beispiel in der Generationenfolge der Familie Herden.

George Herden

George Herden, Erb- u. Freyrichter, aus meiner Linie Birke-Gersch–Bittner, verstarb 1671 in Ludwigsdorf. In der „Glatzer Steuerrolle von 1653  für den Kreis Wünschelburg“  von Dr. Hilde Lebeda, Prag betr. „Dorff Loßdorff“ wird er mit einer Steuerleistung von 2 Gulden und 30 Kreuzern angegeben.

Der im Kirchenbuch Ludwigsdorf eingetragene jüngste Sohn, Johannes (Hans) Herden wird als Erb- und Freirichter 1671 erwähnt. Er heiratete am 10. Juli 1673 Eva Dimbter aus Schönau/Braunau. Die Familie Dimbter ist ebenfalls in meinem Stammbaum zu finden, aber in der Linie Richter im Braunauer Ländchen.

Johannes Herden

„Der jüngste Sohn Hans (Johannes) Herden hat das Freirichtergut zu Ludwigsdorf von seinem Vater George Herden 1671, den 14. März erkauft um 700 Gulden“. (Quelle: Vierteljahrsschrift für Geschichte und Heimatskunde der Grafschaft Glatz 1885/86, Band 5, Verzeichnis der Freirichter und Freibauergüter 1715 von Dr. Volmar, Seite 268)

Johann George Herden

Der Sohn aus der Ehe von Johannes Herden und Eva Dimter heiratete 1696 in Hausdorf Anna Maria Jäschke, die Tochter von Melchior Jäschke, Freirichter in Hausdorf. Bei der Taufe von A. M. Jäschke 1677 wird als Pate u.a. Ernst Ferdinand von Haugwitz, Herr auf Hausdorf, genannt.

Melchior Jäschke stirbt am 10.08.1699 in Hausdorf. Daraufhin kauft Johann George das Freirichtergut von seinem Schwiegervater (s.u.) Sein Bruder Gottfried Herden verheiratet sich 1698 mit Helena Jäschke. Eine weitere Tochter des Melchior Jäschke.

„Hans George Herden hat sein Freirichtergut zu Hausdorf anno 1699 von seinem Schwiegervater George Jaschke erkauft per 933 Gulden“ (Quelle: Vierteljahrsschrift für Geschichte und Heimatskunde der Grafschaft Glatz 1885/86, Band 5, Verzeichnis der Freirichter und Freibauergüter 1715 von Dr. Volmar, Seite 266)

Der gleichnamige Sohn Johann George Herden

Der Sohn aus der Ehe von Johann George Herden und Anna Maria Jäschke, heiratet 1739 in Braunau Anna Maria Waltzel aus Großdorf bei Braunau und übt ebenfalls das Amt des Freirichters aus. Aus dieser Ehe gab es keine überlebenden männlichen Nachkommen.

Wer übernahm jetzt das Freirichteramt?

Die älteste Tochter Anna Maria Theresia Ursula Herden gibt den Freirichterposten an ihren unehelichen Sohn Josephus Henricus Herden *1768 in Ludwigsdorf (Vater unbekannt) weiter.

Josephus Henricus Herden

Er heiratet am 31.01.1792 Anna Maria Elisabeth Herden, die Tochter von Joseph Herden, einem Leinwandhändler aus Ludwigsdorf. Diese Herden-Linie geht zurück auf Michel Herden vom Falkenberg und Eva Gersch. Kurz darauf verstirbt Josephus Henricus an „hitziger Krankheit“. Seine Witwe heiratet in 2. Ehe Johann Joseph Florian Kintscher aus Droschkau. (Vater: Hyazint Kintscher, Erbherr in Droschkau und Oberhannsdorf), der dann als Erb- u. Freirichter ab 1793 in Ludwigsdorf bezeichnet wird.

Fazit:

Bei einem fehlenden männlichen Erben wurde das Freirichteramt zuerst an die Tochter und deren Ehemann übergeben. Auch konnte eine Weitergabe an die übernächste Generation, an den Enkel, erfolgen. Ebenso war es möglich, dass die Witwe das Amt an ihren 2. Ehemann vererbte.

Somit ging in der 6. Generation (nach Recherche der Kirchenbuch-Kopien Ludwigsdorf) das Freirichteramt der Familie Herden an die Familie Kintscher aus Droschkau. Ein Adolph Kintscher wird noch im Jahr 1856 als Freirichter in Ludwigsdorf im „Amts-Blatt der Regierung Breslau“, Seite 185 erwähnt.

 

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