Nach dem Frühstück fuhr uns der Bus aus der Grafschaft Glatz heraus nach Kamenz. Unser erstes Ziel war die Außenstelle des Staatsarchivs Breslau.
Wir waren aber diesmal nicht zum Forschen gekommen. Wir wollten die Räumlichkeiten besichtigen und uns ein Bild vor der Art und Menge der Archivalien machen.
Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und bekamen als erstes einen Raum im Erdgeschoss gezeigt. Die hier aufbewahrten Archivalien hatte man aus den oberen Stockwerken herunterbringen und umlagern müssen, da Bedenken wegen der Statik aufgekommen waren. Papier kann eine Menge wiegen, wenn nur genug davon zusammenkommt.
Wir bekamen noch weitere Räume in den oberen Stockwerken zu sehen, bei denen die Archivkartons lückenlos in Regalen gestapelt waren. Es ist ein veritables Informationslabyrith! Man kann nun schon eher verstehen, dass die Beantwortung einer Anfrage ans Archiv unter Umständen viel Zeit kosten kann.
Direkt angrenzend befindet sich das Schloss Kamenz, das nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel für Marianne von Oranien (1810-1883) erbaut wurde. 1838 erfolgte die Grundsteinlegung, aber es dauerte bis zum Jahr 1873, in dem die Einweihung stattfand. Die Prinzessin war keine einfache Auftraggeberin. Extrawünsche, die Scheidung von ihrem Ehemann Albrecht von Preußen, dem 10. und letzten Kind von König Friedrich Wilhelm III., und politische Ereignisse verzögerten immer wieder die Bautätigkeit.
1945 plünderte die Rote Armee das Schloss und setzte es in Brand. Erst nach 40 Jahren des Verfalls begann der Wiederaufbau.
Direkt am Weg beim Schloss liegen zwei Brunnen und eine Fontäne mit Bassin. Inzwischen war es Mittag geworden und es wurde immer wärmer. Zwar konnte man sich an den Brunnen die Hände abkühlen und die dort gepflanzen Rosen verströmten einen wunderbaren Duft, aber wir mussten weiter.
Unser nächstes Ziel war das ehemalige Goldberkwerk in Reichenstein. Da wir bis zu unserem angemeldeten Termin doch noch warten mussten, besichtigten wir das kleine Museum.
Der erste Eindruck ließ vermuten, es würde es sich um die Sammlung eines zwar ambitionieren aber etwas chaotischen Hamsters handeln. Erst nach und nach durchschaute man eine gewisse Ordnung und fand immer mehr interessante Gegenstände, Fotos und Bücher, nicht nur zum Bergwerksthema oder dem Ort Reichenstein.

Inzwischen war es noch wärmer geworden. Die längere Wartezeit ging zu Ende und unsere Führung in die Unterwelt begann.
Die Gänge waren recht dunkel, nass und vor allen Dingen sehr kalt. Viele waren froh, eine Jacke mitgebracht zu haben. Laut der Bergwerks-Website betrug die Temperatur 7 Grad, vielleicht war es ein wenig mehr.
Die polnischen Erläuterungen wurden von unserer Reiseleiterin wie immer flüssig und kompetent übersetzt. Nachdem sich der Abbau des vorhandenen Goldes nicht mehr lohnte, wurde das ebenfalls vorhandene Arsen abgebaut. Der Rohstoff wurde z. B. bei der Glasherstellung benötigt.
Leider konnte von der angekündigten Barrierefreiheit der Gänge keine Rede sein. Mehrere Gruppenmitglieder mussten zurückbleiben und außerhalb warten.
Eine Grubenbahn brachte uns mit ohrenbetäubenden donnerdem Getöse über 800m zur Ausstiegsstelle. Von dort war der Weg nicht mehr weit bis zum unterirdischen Wasserfall.
Nahe des Ausgangs konnte man einer kurzen Demonstration zuschauen, wie mit einer Spindelpresse und Metallscheiben Münzen hergestellt werden. Die obere Querstange wird ruckartig in Bewegung gebracht, wodurch sich die Spindel dreht und der Prägestempel mit hohem Druck nach unten auf den Rohling gepresst wird. Zurück bleibt das geprägte Relief auf dem weicheren Metall und die neue Münze ist fertig.
Nach unserer Rückkehr ins Hotel hatten wir diesmal fast eine Stunde Zeit bis zum Abendessen.
Morgen ist unser letzter Ausflugstag in der Grafschaft Glatz, es wird weiter in den Gebirgskessel hinein gehen.












