Die beiden Hauptquellen für den Familienforscher sind Kirchenbücher und die Personenstandsbücher der Standesämter. Oft muss man jedoch auf zusätzliche Quellen ausweichen, um ergänzende Daten und Hinweise für die weitere Suche zu erhalten.
Eine interessante Möglichkeit bieten die Jahresberichte der Schulen, die oft über Jahrzehnte für jedes einzelne Schuljahr veröffentlicht wurden. Darin enthalten sind neben Beschreibungen von Unterrichtsfächern, gelehrten Themenbereichen und verwendeten Lehrbüchern auch viele verwertbare personenbezogene Daten.
Für die Grafschaft Glatz existieren online einige Jahresberichte des Königlich Katholischen Gymnasiums zu Glatz.
Tabellarisch aufgeführt sind die Abiturienten mit ihren Geburtsdaten und -orten, die Religionszugehörigkeit, Beruf und Wohnort des Vaters, die Dauer des Schulbesuchs und der gewählte Beruf. Viele der Schüler gingen nach dem Abitur an die Universität Breslau, um dort Theologie oder Philologie zu studieren.

Sowohl der spätere Pfarrer der Glatzer Stadtpfarrkirche August Skalitzky, als auch Großdechant Franz Monse drückten als Knaben die Schulbank in Glatz.
Wenn Lehrer an die Schule versetzt wurden, waren in vielen Fällen ihr Herkunftsort mit dem Geburtsdatum und der bisherige Werdegang aufgeführt. Aus den folgenden Jahresberichten der nächsten Jahre kann man ersehen, welche Fächer der Lehrer unterrichtete, ob er zum Oberlehrer oder Professor befördert wurde, Ehrungen erhielt, wann er krank war und wann er die Schule verließ, um in einem anderen Ort eine neue Stelle anzutreten. Auch Sterbefälle sind mit dem Sterbedatum und Begräbnistag genannt, manchmal auch von Pensionären.
Dies ist sehr hilfreich, um die weitere Suche nach Sterbeurkunden deutlich abzukürzen oder Eheschließungen und die Geburt der Kinder in den verschiedenen Orten der Tätigkeiten zu finden.
Selten passierten auch Todesfälle unter den Schülern, z. B. durch Tuberkulose. Im Jahresbericht 1903/04 findet sich der tragische Tod des Oberprimaners Alfons Gottschlich am 25.7.1903 in Sexten, Tirol. Durch diese Information findet man unter anderem in der „Tiroler Landzeitung“ vom Samstag, 1. August 1903, auf Seite 8:
„Am 25. Juli Nachmittags stürzte im Fischleinthal bei Sexten (Bezirk Lienz) der 20jährige Theologe Alfons Gottschlich aus Glatz in Schlesien beim Edelweißsuchen ab und ist zwei Stunden später den Verletzungen erlegen.“
Im Jahresbericht 1896/97 (Seite 20) ist über den Tod des Sextaners Fritz Meuthner durch den unvorsichtigen Gebrauch einer Schusswaffe am 3.10.1896 nachzulesen. Der Eintrag im Sterberegister ist daher leicht zu finden (StA Glatz Nr. 248/1896). Fritz starb nur wenige Wochen vor seinem 12. Geburtstag, sein Vater war der Gastwirt Friedrich Meuthner, wohnhaft in Glatz, böhmische Vorwerke. Im Kirchenbuch ist als Todesursache lediglich „Darmverletzung“ angegeben (Kath. KB Glatz Beerdigungen Nr. 191/1896).
Einige Jahresberichte gibt es online bei der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf und der Google Bücher-Suche.


Eine Antwort auf „Forschungsquelle: Schulberichte“
Auch beim Münchener DigitalisierungsZentrum gibt es ein paar Jahresberichte:
https://www.digitale-sammlungen.de/de