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Biographien Grafschaft Glatz

Aus dem Leben eines Dorfschullehrers

Cover Autobiographie Adam Langer

Adam Langer wurde am 6. Mai 1836 in Konradswalde, Kreis Habelschwerdt geboren. In seiner Autobiographie beschrieb der Bauernsohn zunächst seine Kindheit und Jugendzeit in einem abgelegenen Gebirgsdorf der Grafschaft Glatz. Adam erzählte von den Personen in seinem Umfeld, den Spielen mit Schulkameraden, Gebräuche, besondere Begebenheiten und seine Aufgaben auf dem väterlichen Bauernhof. Er war der „Kühprinz“, d. h. er hütete in der unterrichtsfreien Zeit die Kühe, aber auch die anderen Tiere des Hofes.

Nach dem Besuch der Dorfschule reifte ihn ihm der Wunsch, Lehrer zu werden. Die Entscheidung fiel nicht leicht, denn zum einen würde die zusätzliche Arbeitskraft auf dem Hofe fehlen und andererseits waren die Ausbildung und die vielen notwenigen Anschaffungen sehr teuer. Nachdem die Eltern ihre Erlaubnis gegeben hatten, vertauschte der junge Mann nach einer entsprechenden Vorbereitungszeit, die ländliche Ruhe mit der städtischen Betriebsamkeit Breslaus, wo er von 1854 bis 1856 das Lehrerseminar besuchte.

Beim Eintritt hatte jeder Seminarist mitzubringen:

  1. Ein passendes Gebetbuch und das Gesangbuch von Deutschmann und Brosig. Außerdem musste jeder mit dem Ministranten- und Kirchendienst vertraut sein.
  2. Eine Violine
  3. Kleidung, Wäsche, Bürsten und Kamm, Badekleidung und einen Turnanzug aus roher Leinwand.
  4. Vollständiges Bettzeug, die Ober- und Unterbettwäsche, einen Strohsack von ca. 4 Ellen Länge oder eine Matratze. Die Bettstelle war vorhanden.
  5. Ein Besteck: Löffel, Gabel und Messer. Eine Serviette. Drei Vorlegeschlösser für Bettschublade, Klassenschub und Schrank.
  6. 20 Thaler und 26 Silbergroschen in bar oder als Kassenanweisung, die bei der Anmeldung dem Direktor zu übergeben waren.

Es durften ausdrücklich nicht mitgebracht werden: Unnütze Bücher, Musikalien und Kleidung. Auch waren Kaffeemaschinen, Feuerzeuge u. ä. wegen der Feuergefahr verboten.

Die Ausbildung war herausfordernd und anstrengend. Schon um 5 Uhr morgens läutete der Schuldiener die Glocke. Aus dem Schlafsaal unter dem Dach eilten die Schüler drei Treppen hinab, um Wasser zum Waschen an der Pumpe im Hof zu holen. Auf das Ankleiden und das gemeinsame Morgengebet folgte um 5 Uhr 30 der erste Unterricht. Nach einer heiligen Messe um 7 Uhr 30 gab es Frühstück. Jeder Seminarist erhielt eine große Tasse Kaffee. Für sein Essen musste er selbst sorgen. Meist schickten die Eltern ihren Söhnen per Post oder durch Fuhrleute Brot und Butter. Nach dem Frühstück ging der Unterricht bis Punkt 12 Uhr weiter. Mit Besteck und Brot eilten die Seminaristen zum Mittagessen in den Speisesaal. Für die restlichen Mahlzeiten des Tages, also Vesper- und Abendbrot, musste jeder selbst sorgen.  Im Allgemeinen war das Essen reichlich und kräftig. Zweimal im Jahr wurde festlich gespeist: Am Geburtstag des Königs und an der Fastnacht.

Bis 14 Uhr war freie Zeit eingeplant. Danach gab es erneut Unterricht bis 16 Uhr, gefolgt von einer Freistunde. An einem Tag der Woche schloss sich noch einmal eine Unterrichtsstunde an, ansonsten mussten die Fächer des nächsten Tages vorbereitet werden. Nach einem gemeinsamen Abendgebet um 20 Uhr 45 ging es zu Bett.

Adam Langer beschrieb seinen weiteren Werdegang von der Abiturprüfung und Adjuvantenzeit 1 bis er nach mehreren Jahren Hauptlehrer wurde. Große Reichtümer konnte man als Lehrer damals nicht ernten und es galt viele Schwierigkeiten zu überwinden, auch im Alltag abseits der Klassenräume. 1888 trat Langer in den Ruhestand und zog nach Landeck, wo er bis zu seinem Tode 2 am 24. Dezember 1919 schriftstellerisch tätig war.

Die Lektüre dieser Autobiographie ist sehr interessant, kurzweilig und unbedingt lesenswert, nicht nur für Familienforscher mit Wurzeln in Konradswalde, Wolmsdorf und Schreckendorf. Man erhält einen guten Eindruck des dörflichen Lebens und des Volksschulwesens in der Grafschaft Glatz zur damaligen Zeit.

Leider nur noch selten antiquarisch zu finden:

Adam Langer: Erinnerungen aus dem Leben eines Dorfschullehrers. Verlag von Edwin Runge, Gr. Lichterfelde-Berlin. 2. Auflage (1902)

  1. Zeit als Hilfslehrer ↩︎
  2. Kath. KB Landeck Verstorbene Nr. 118/1919 ↩︎

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