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Damals Schlesien

Jauersche Bienenkörbe

Schlesische Pfefferkuchen, Liegnitzer Bomben, Neisser Konfekt, Patschkauer Dohlen und Bauerbissen waren bis weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt.

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Im Jahr 1846 gründete Hermann Lauterbach eine Lebkuchenfabrikation in Jauer. Besonders die Jauerschen Bienenkörbe seiner Pfefferküchlerfamilie erfreuten sich großer Beliebtheit, so dass sie sich in die Reihe der berühmten schlesischen Gebäcke einreihten.

Einreichung für die Industrie-Ausstellung: Ein Bienenkorb
Bereits im Jahr 1852 reichte der Pfefferküchler Hermann Lauterbach einen aus Pfefferkuchenteig gefertigten Bienenkorb für eine Industrie-Ausstellung ein (rechts im Text). Vermutlich handelt es sich um einen Vorläufer des späteren Gebäckes.

1876 übernahm Otto Lauterbach das Geschäft seines Vaters. Das Bienenkorbgebäck wurde 1879 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Seine Produkte wurden bald in viele europäische Länder und nach Amerika verschickt. An der Hausfassade des 1881 von ihm am Ring Nr. 8 in Jauer erbauten Hauses ist ein Bienenkorb zu sehen.

Backen und Zusammensetzen der Ringe für die Bienenkörbe
Die einzelnen Ringe werden auf Backbleche gespritzt (rechts), gebacken und anschließend kunstvoll zu Bienenkörben in unterschiedlicher Größe zusammengesetzt und verziert.
Foto: Otto Glaeser (+)

Bei dem Gebäck handelte es sich um gespritzte Ringe aus Makronenmasse oder Lebkuchenteig mit großem Honiganteil in unterschiedlicher Größe, die nach dem Backen zusammengesetzt und mit Zuckerguss überzogen wurden.

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Teilweise waren sie sogar mit Schokoladenbienchen mit transparenten Flügelchen aus Blattgelatine verziert. So glichen sie den von Imkern verwendeten Bienenstöcken aus Stroh in der klassischen Form, die man auch heute noch auf manchen Honiggläsern abgebildet findet. Die süßen Bienenkörbe waren teilweise mit Marmelade oder einer Nussmasse gefüllt.

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Die Bienenkörbe konnte man in unterschiedlichen Größen kaufen. Sie wurden gern als Geschenk an den Festtagen überreicht oder z. B. zum Erntedankfest als Glücksbringer verschenkt.

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Der große Erfolg sorgte für Nachahmer unter den Pfefferküchlern Schlesiens, wie viele Werbeanzeigen in Zeitungen und Nachschlagewerken beweisen. Dazu gehörte auch die Confiserie Mieksch in Breslau, die mehrere Filialen unterhielt und Hoflieferant gleich mehrerer Höfe war.

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Nach der Vertreibung baute sich die Familie Mieksch eine neue Existenz in München auf. Sie stellt auch heute noch die ehemals so bekannten Bienenkörbe in Handarbeit her.

Foto der Bienenkorbherstellung von Otto Glaeser (+) in: Edmund Gläser. “Heimat Schlesien” Gräfe und Unzer Verlag, München (ca. 1953)

Die Anzeigen stammen aus Zeitungen und Nachschlagewerken ab 1900.

Anm.: Leider war kein Rezept für einen Selbstversuch zu finden (Wer hat Originalrezepte zum Testbacken und/oder Fotos?

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