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Die schwedischen Leffler aus Breslau

In der Grafschaft Glatz konzentrierte sich das Namensvorkommen der Löffler/Leffler primär auf den Umkreis von Neurode. Aber auch in ganz Schlesien war der Name häufig vertreten. Der schwedische Familienforscher Henrik Liljegren hat interessante Entdeckungen in Breslau gemacht. Er ist Professor für Linguistik an der Universität in Stockholm und hat uns seine Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt.

In nachstehendem Beitrag stellt Henrik Liljegren in eindrucksvoller Weise seine bisherigen Ergebnisse zu der Herkunft und Verbreitung der Leffler aus Breslau in Schweden dar.

Die Genealogie der schwedischen Leffler

Generation 1: Georgius Leffler, geboren um 1600

Was im Wesentlichen über die ersten dokumentierten Generationen der Familienlinien bekannt ist, findet sich in einer Sammlung von Genealogien über eine Reihe von Familien aus Västerås. Diese wurden vom Schriftsteller, Topographen und Genealogen Abraham Hülphers der Jüngere, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammengetragen und erstellt. Später verfasste der Sprachwissenschaftler und Genealoge Frits Läffler, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein Schriftstück. Darin ergänzte er Angaben zu späteren Generationen. Die mit Sicherheit älteste bekannte Person des Geschlechts ist Georgius (oder Georg) Leffler. Dieser wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts oder möglicherweise bereits Ende des 16. Jahrhunderts geboren. Er und seine Frau Catharina Behringer lebten in der mitteleuropäischen Stadt Breslau in Schlesien.

Beide Namen werden in einer 1655 ausgestellten Magistratsurkunde erwähnt. Darüber hinaus ist jedoch nichts über sie bekannt. Breslau, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs primär eine deutschsprachige Stadt war, ist heute unter dem Namen Wrocław bekannt und liegt im südwestlichen Teil des heutigen Polens. Der Name der Stadt hat sich, wie man sieht, nicht nur einmal, sondern wahrscheinlich mehrfach im Laufe ihrer über 1000-jährigen Geschichte geändert. Ich verwende hier die deutsche Form „Breslau“. Diesen Namen (oder möglicherweise Presslaw) nannten die ersten bekannten Mitglieder unseres Geschlechts als Herkunftsort.

Vor etwas mehr als einem Jahrtausend wurde Breslau an der Kreuzung zweier uralter Handelswege , der „Bernsteinstraße“ und der „Salzstraße“ (auch Niederstraße genannt) gegründet. Auf einer Insel in der Oder (oder Odra) entstand die Stadt und breitete sich nach und nach weit entlang der Flussufer aus. Es steht jedoch außer Zweifel, dass der Ort schon lange zuvor besiedelt war. Breslau hat einen historisch gemischten Ursprung mit keltischen, germanischen und slawischen Einflüssen. Politisch gehörte Breslau mal dem einen, mal dem anderen Reich an. In einer Chronik aus dem Jahr 1013 wird die Stadt namentlich erwähnt. Damals als “Wrotizla”, die, durch ein päpstliches Dekret, zu einem von drei Bistümern innerhalb des polnischen Königreichs erklärt worden war.

Eine relevante Frage in diesem Zusammenhang ist, ob die Möglichkeit besteht, noch weiter in die Geschichte des Geschlechts Leffler zurückzugehen. Ich bin der Meinung, dass dies möglich ist. Wenn auch mit gewissen Vorbehalten. Zunächst soll etwas zu schriftlichen Quellen gesagt werden. Es ist gut möglich, dass bei zukünftigen Archivforschungen weitere Spuren von Mitgliedern der Familie Leffler gefunden werden. In den Listen der Ratsmitglieder wird ein Johannes Leffeler genannt. Diese reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1460 war ein Johannes Leffler Ratsherr (consulus) und im darauffolgenden Jahr Schöffe (scabinus). Ein Hinweis darauf, dass die Familie über einen längeren Zeitraum eine bedeutende Stellung in der Stadt Breslau innehatte.

Die Namensähnlichkeit liefert keine Beweise. Es bleibt also bei Spekulationen. Aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass Johannes Leffeler ein Verwandter oder gar ein Vorfahr von Georg Leffler war. Auch wenn fast 200 Jahre zwischen ihren vermutlichen Geburtsjahren liegen und vielleicht sogar fünf bis sechs Generationen. Die Ältesten der städtischen Handwerkszünfte dominierten die Sitze im Stadtrat. Dessen Mitglieder wurden einmal im Jahr, am Aschermittwoch, gewählt. Johannes könnte sehr wohl eine solche Zunft vertreten haben. Dieser Rat hielt seine Sitzungen im gotischen Rathaus ab, das seit dem 13. Jahrhundert im Stadtzentrum thront. Johannes und seine Ratskollegen haben wohl den einen oder anderen Bierkrug im traditionsreichen Rathauskeller geschwenkt.

Liste der Ratsmitglieder in Breslau von 1460-1461
Liste der Ratsmitglieder in Breslau von 1460-1461
Foto: Henrik Liljegren

Das führt uns auch auf eine sprachwissenschaftliche Spur. Der Nachname Leffler/Leffeler ist ursprünglich eine Berufsbezeichnung mit der Bedeutung „Löffelhersteller“ oder „Löffelverkäufer“, abgeleitet von „Löffel“. Wie wir später sehen werden, waren die ersten männlichen Verwandten auf schwedischem Boden als Metallhandwerker tätig. Es könnte sich durchaus um einen Beruf handeln, der über Generationen hinweg vererbt wurde. Die mittelalterlichen Leffler haben hölzerne Löffel hergestellt. Später waren sie als Schmiede in der Metallbearbeitung beschäftigt.

Innenansicht der der St. Elisabeth Kirche Breslau Foto: Henrik Liljegren
Innenansicht der der St. Elisabeth Kirche Breslau
Foto: Henrik Liljegren


Es gibt Grund zu der Annahme, dass Georg und seine Frau Catharina Gemeindemitglieder in der St.-Elisabeth-Kirche waren. Einer Kirche, die bereits 1525 protestantisch wurde. Sie war eine von zwei Kirchen, denen die Bürger der Stadt angehörten. Interessanterweise lautete der Name einer der Straßen, die zur St.-Elisabeth-Kirche führen, „Kopperschmiedegasse“. Was sicherlich darauf hindeutet, dass sich hier die Metallarbeiter der Stadt aufhielten. Auch heute noch heißt die Straße in polnischer Sprache „Kotlarska“.


Breslau die Kopperschmiedegasse, heute Kotlarska Foto: Henrik Liljegren
Breslau, die Kopperschmiedegasse, heute Kotlarska
Foto: Henrik Liljegren

Löffler in der Grafschaft Glatz

Der Name Leffler/Löffler  kam an mehreren Orten im deutschsprachigen Raum vor. Es bedeutet, dass nicht alle denselben Ursprung haben. Die Familienforscherin Ursula Holz hat Vorfahren mit den Namen in der Grafschaft Glatz im Raum Neurode (heute Nowa Ruda). Das Gebiet liegt etwa 90 km südwestlich von Breslau, nahe der Grenze zu Tschechien. Gerade hier war der Name (in verschiedenen Formen: Löffler, Leffler, Lefler) besonders häufig vertreten. Primär in den Orten Königswalde, Ludwigsdorf, Eule, Vierhöfe, Hausdorf, Krainsdorf, Kunzendorf und in Neurode selbst. Der älteste bekannte Vorfahr von U. Holz mit diesem Namen ist ein George Lefler, der um 1655 geboren wurde. George Lefler war laut den Kirchenbüchern von Königswalde Gärtner und Vogt. Bei seiner Trauung 1705 wird sein Vater, ebenfalls ein George Leffler, als gewesener Soldat genannt.  Auf der Website von U. Holz gibt es eine Liste, die auf einer von Professor Joseph Wittig verfassten Chronik über die Stadt Neurode basiert. Hier werden etwa 20 namentlich genannte Personen mit dem Namen Leffler (in irgendeiner Form) aufgeführt.

Interessanterweise tragen nicht weniger als fünf dieser Leffler den Vornamen Georg. Einer im 15. Jahrhundert, zwei im 16. Jahrhundert, einer im 17. Jahrhundert und einer im 18. Jahrhundert. Weitere vorkommende Vornamen sind Jakob, Markus, Mattern, Melchior, Andreas, Matte, Martin, Hans, Johann, Joseph und Ludmilla. Zwei von ihnen waren Mitglieder des Stadtrats von Neurode. Der Name Melchior ist besonders interessant, da ein Enkel des Tobias Leffler, der später nach Schweden auswanderte, ebenfalls Melchior hieß (kein besonders häufiger Name in Schweden). Vielleicht hatte die Familie ihren Ursprung gerade in dieser Gegend und kam erst später nach Breslau.

Generation 2: Tobias Leffler der Ältere 1641–1702

Tobias, der Sohn von Georg und Catharina, wurde 1641 in Breslau geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren kam er nach Stockholm. Im Alter von 26 Jahren, erteilte ihm die Stockholmer Zunft einen Meisterbrief als Kupferschmied. Er erhielt die Erlaubnis und eine Empfehlung des Reichsschatzmeisters, Seved Bååt, an den Bürgermeister von Västerås, Carl Nilsson Printz, seinen Beruf in der Stadt Västerås auszuüben.  Die Stadt wurde auch sein Wohnort.

Tobias heiratete, vermutlich Anfang der 1660er Jahre, die Pfarrerstochter Catharina Jönsdotter Vibyensis Grimsten aus Viby in der Provinz Närke. Ihr Vater, Johannes Petri Vibyensis, war Hilfspfarrer in Viby und Tångeråsa. Ihr Großvater, Petrus Olai, übte ebenfalls von 1596 bis 1609 das Amt des Pfarrers in derselben Gemeinde aus. Tobias und Catharina hatten vier Kinder (soweit bekannt und die die Kindheit überlebten) :
Catharina (geboren 1665), Johan (geboren im 1660er-Jahrzehnt), Susanna (Geburtsjahr unbekannt) und Tobias (geboren 1669).   

Generation 3: Tobias Leffler der Jüngere 1675–1749

Tobias und Catharinas Sohn, Tobias, wurde also 1669 in Västerås geboren. Er war, wie sein Vater (und sein Bruder Johan), von Beruf Kupferschmied. Auch sein Schwiegersohn Erik Andersson Menlös (Catharinas erster Ehemann) war ein Metallfachmann: Zinngießer. Es war Tobias der Jüngere, der den Namen Leffler weiterführte, da sein Bruder Johan bis zu seinem Tod im Jahr 1703 unverheiratet blieb. Dass Tobias in seinem Beruf erfolgreich war, zeigte sich daran, dass er zusammen mit dem Kaufmann Sam Beurling und dem Bürgermeister Peter von Werdt, für 81 Prozent des gesamten „eingewogenen“ Kupfers in Västerås verantwortete. Kupfer spielte eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft der Stadt. Es wird deutlich, da man zeitweise ganze 80 Prozent des schwedischen Kupferexports auf ihrem Weg von den Bergwerken in Berglagen durch Västerås leitete. Tobias heiratete Brita Schybler, die Tochter des in Stockholm tätigen Kupferschmiedemeisters Daniel Schybler (geboren 1647 in Berlin) und seiner Frau Brita Betke.  Brita und Tobias bekommen zusammen 18 Kinder (geboren über einen Zeitraum von 27 Jahren). Brita wird 82 Jahre alt, was im Schweden des 18. Jahrhunderts wohl als eine Leistung angesehen werden muss. Von den 18 Kindern überlebten 11 ihre Kindheit, was ebenfalls weit über dem damaligen Durchschnitt lag. Der Name Leffler lebt durch eine große Anzahl von Personen und eine nicht gerade kleine Anzahl von Familienzweigen weiter. Fünf der sechs Söhne, die das Erwachsenenalter erreichen, waren in der einen oder anderen Form in der Metallverarbeitung tätig. Sohn Daniel wird Kupferschmied in Nora, Sohn Tobias Kupferschmied in Sala. Der Sohn Christian wird Kupferschmied und später Kaufmann in Västerås, Sohn Melchior wird Kanister- und Zinngießer in Visby. Er ist auch derjenige, der den Stempel für das Familienwappen besaß, das auf mehreren Zinntellern zu finden ist.

Familienwappen der Leffler in Schweden
Familienwappen der Leffler in Schweden
Foto: Henrik Liljegren

Johan wird Goldschmied in Falun und ist höchstwahrscheinlich der Hersteller des Silberlöffels, den ich besitze.

Ein Silberlöffel mit Stempel des Namens Leffler
Ein Silberlöffel mit Stempel des Namens Leffler
Foto: Henrik Liljegren

Ein Silberlöffel, hergestellt von Johan Leffler aus Schweden
Ein Silberlöffel, hergestellt von Johan Leffler aus Schweden
Foto: Henrik Liljegren

Derjenige, der den Familiennamen jedoch in höchstem Maße weitergeführt hat, ist sein Sohn Anders, der Oberinspektor bei der Zollbehörde wurde. Sein Sohn Johan Håkan Leffler (ebenfalls oben erwähnt) wurde später eine angesehene Persönlichkeit im Schifffahrts- und Handelsleben Göteborgs. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth Kullman hatten sie sieben Söhne, von denen sich sieben große Familienzweige ausgebreitet haben. Die Nachkommen sind auf allen fünf Kontinenten vertreten.

Generation 4: Magdalena Leffler 1728–1798

Magdalena wurde 1728 in Västerås als 16. Kind in der großen Kinderschar von Tobias und Brita geboren. Im Alter von 22 Jahren heiratete sie Lars Bergström, einen Stadtrat.

Die nachfolgenden Generationen

Meine eigene Vorfahrin Magdalena, ist die Letzte in meiner eigenen Ahnenlinie, die den Namen Leffler trägt. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Familie ausgestorben ist. Im Gegenteil, es gibt, wie bereits erwähnt, eine große Anzahl von Nachkommen der ersten Leffler-Generationen, die weiterleben und den Namen tragen. Sowohl in Schweden als auch in einer Reihe anderer Länder, nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten. Wir haben ein nahezu lückenloses Bild von den schwedischen Nachkommen von Anders Leffler (1773–1855). Auch dank der genealogischen Arbeit von Frits Läffler aus dem frühen 20. Jahrhundert. Außerdem besteht ein anhaltend großes Interesse der jungen Generation Leffler, die dieses Erbe weiterführen.

DNA-Test

Ein weiterer Anhaltspunkt, der möglicherweise ein gutes Stück weiter in die Vergangenheit zurückführen könnte, hat mit der Genetik zu tun.  Mehrere männliche Nachkommen eines Johan Håkan Leffler (1745–1813), eines direkten Nachkommen von Georg Leffler, haben einen erweiterten DNA-Test bei FamilyTreeDNA absolviert. Das Ergebnis ist besonders interessant. Die Leffler-DNA scheint zu einer für Schweden und Europa sehr seltenen sogenannten Haplogruppe zu gehören. Der Ursprung dieser Abstammungslinie unterscheidet sich deutlich von dem der meisten anderen getesteten Nordeuropäer. Ich suche männliche Testteilnehmer, die direkt von Vorfahren mit dem Namen Leffler (in irgendeiner Form) abstammen und die nachweislich aus Breslau und Umgebung stammen. Interessierte können sich gerne an mich wenden. Ich übernehme die Kosten für den Test und garantiere die Anonymität, soweit gewünscht.

Autor:  Henrik Liljegren, August 2026

Schlussbemerkung

Wir danken Henrik Liljegren, dass er seine bisherigen Forschungsergebnisse mit uns teilt. Durch seinen gut recherchierten historischen Genealogie-Beitrag werden Wanderungsbewegungen aus früherer Zeit sichtbar.

Sein schwedischer Bericht wurde mit Hilfe vom deepl.com ins Deutsche übersetzt. H. Liljegrens Nachforschungen sind noch nicht abgeschlossen. Auch ist eine evtl. Verbindung seiner schwedischen Leffler zu den Löffler/Leffler im Umkreis von Neurode in der Grafschaft Glatz ebenfalls offen.

Quellen:

  • Codex Diplomaticus Silesiae. 1882. Elfter Band, Breslauer Stadtbuch, enthaltend die Rathslinie von 1287 ab und Urkunden zur Verfassungsgeschichte der Stadt. Breslau: Josef Max & Comp.
  • Davies, Norman & Roger Moorhouse. 2003. Microcosm: Portrait of a Central European City. London: Pimlico
  • Hülpher, Abraham Abrahamsson. 1787. Genealogiske samlingar öfwer Åtskillige Westerås Slägter Som … i flere Ättegrenar. : Samlade tid efter annan På 1760 & 1770 talen Af Abrah. Hülphers Abrson. Vol. III Abraham Abrahamsson Hülphers genealogier. Västerås stadsbibliotek
  • Läffler, Frits. 1925. Släkten Leffler från Breslau. Enligt manuskript av professor Frits Läffler
  • Montelius, Sigvard. 1993. Metropol i Mälardalen. Västerås ekonomiska historia 1620-1860. Västerås: Västerås stad
  • Olsson, Sven. 1988. Burskap och makt. Västerås politiska historia 1613-1862. Västerås: Västerås kommun
  • Västerås domkyrkoförsamlings kyrkoarkiv, SE/ULA/11727














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