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Damals Schlesien

W. Busch

Ansichtskarte Schneekoppe bei Sonnenaufgang
Ansichtskarte: Schneekoppe bei Sonnenaufgang … mit Morgennebel

Einer der vielen Wanderer, die den steilen und anstrengenden Aufstieg auf die Schneekoppe gewagt haben, war der bekannte Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (1832 – 1908).

Am 30. September 1882 machte er sich voller Vorfreude auf eine wunderbare Fernsicht und einen schönen Aufenthalt in 1.605m Höhe auf den Weg. Womit er nicht gerechnet hatte war, dass der Berg sich wie so oft in Nebelschwaden gehüllt hatte und die Saison stets Ende September endete. So kam er gerade rechtzeitig auf dem Gipfel an, um sich noch schnell im Gästebuch bzw. Koppenbuch zu verewigen, bevor der Koppenwirt Friedrich Pohl die Baude für das Jahr 1882 abschloss.

Wie man es von Wilhelm Busch erwarten würde, brachte er seine enttäuschten Erwartungen humorvoll in einem Gedicht zum Ausdruck:

Dieses ist ein alter Spruch:
Mensch, hast du des Gelds genug,
Dann ist gut es Dir und nütze,
Daß Du nicht auf Deinem Sitze
In der Heimat kleben bleibst
Und die Zeit mit Skat vertreibst!
Einmal kann es Dir nicht schaden,
Wenn Du Deine werten Waden
Durch das Steigen auf und nieder
Fester machst – – und dann auch wieder
Wenn Dein Sinn nicht ganz gesunken,
Siehst die Welt Du freudetrunken,
Und die ganze Herrlichkeit
Macht die Brust Dir froh und weit!
Dieses alles zwar erwägend,
Doch nicht lange überlegend,
Füllte ich das Portemonnaie
Und bestieg die steile Höh! –
Ach, wie schön ist’s und erlabend,
Wenn man sich am frohen Abend
Nach des Tages schweren Werken
Durch Gesang und Wein kann stärken!
so hatt’ ich’s mir ausgedacht,
Ja – prosit Mahlzeit – gute Nacht!
Nebel war am ganzen Tage,
und der Aufstieg eine Plage,
Und bei dieser schweren Zeit
Wächst mit Macht die Durstigkeit!
Hier nun auf der höchsten Spitzen
Preußens wollt ich acht Tag’ ich sitzen,
Ungestört hier aus dem Himmel
Schaun aufs wirre Weltgetümmel;
Eine Friedenspfeife rauchen
Und kein Schreibzeug mehr gebrauchen.
Oben, dacht’ ich, hast Du Ruh’ –
Schrumm — schließt Pohl die Bude zu.
Gerne ist man nicht alleine,
Drum mach’ ich mich auf die Beine
Und mit diesem Vers voll Pracht
Wird im Buch der Schluß gemacht!
Nun ist’s Art im Deutschen Reiche
Darin sind wir Alle gleiche –
Wenn wer greift zum Wanderstab,
Er ‘nen Abschiedsgruß gibt ab:
Darum sei auch dieser Klause –
Bleibt der Wirt auch nicht im Hause
Glück und Segen, Lust und Freud’
Einbeschert für alle Zeit!
Dies der Wunsch, und nun – der Schluß:
Viel Vergnügen!
Wilhelm Busch

Ansichtskarte Schneekoppe im Sommerschnee
Ansichtskarte: Schneekoppe im Sommerschnee und mit Wolken

Quelle:

Schlesische Chronik, 6. Jahrgang, Nr. 9, 1. Februar 1913, S. 234

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