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Damals Schlesien

Lutherfestspiele 1921

Gemälde Luther in Worms 1521
Anton von Werner: Luther auf dem Reichstag zu Worms, 1877

400 Jahre nachdem sich Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms weigerte, seine Schriften zu widerrufen, fanden im Gedenken an dieses Ereignis an mehreren Orten im Deutschen Reich Lutherfestspiele, Feiern und Veranstaltungen statt, auch in der Breslauer Jahrhunderthalle (unter der Gesamtleitung des Theaterregisseurs Fritz Budde mit 500 Statisten).

Anlässlich dieser Schlesischen Lutherfestspiele im Juni 1921 wurde von der Druckerei Grass. Barth & Comp. (W. Friedrich) in Breslau eine Serie von Notgeldscheinen hergestellt. Diese waren lediglich bis zum 15. Juli 1921 einlösbar. Die Notgeldscheine zeigen auf der Vorderseite unterschiedliche Portraits von Martin Luther und den Betrag von 25 oder 50 Pfennigen. Bei den Portraits befindet sich jeweils ein Buchstabe: Auf den 6 verschiedenen Scheinen L, U, T, H, E und R (das E ist absichtlich seitenverkehrt gedruckt).

Notgeld 25 Pfennige Lutherfestspiele Breslau 1921
Auf der Vorderseite zwei evangelische Kirchen Breslaus: links die Lutherkirche, rechts die Magdalenenkirche.

Die Lutherkirche existiert heute nicht mehr. Sie wurde kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs im März 1945 von der Wehrmacht gesprengt, um Platz für einen Flugzeuglandeplatz zu schaffen.

Die Magdalenenkirche hat infolge einer Explosion im Mai 1945 ihre Turmhelme eingebüßt und ist heute die Kathedralkirche der altkatholischen Diözese Breslau.

Notgeld 25 Pfennige Lutherfestspiele Breslau 1921
Auf der Rückseite sieht man die Breslauer Jahrhunderthalle, in der die Veranstaltung stattfand.

Die Jahrhunderthalle wurde von 1911 bis 1913 errichtet, ist eines der Wahrzeichen der Stadt und seit 2006 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. 

Notgeld 25 Pfennige Lutherfestspiele Breslau 1921
Auf der Vorderseite: “Deutsche sind wir u. steh’n für deutsche Art.”
Auf der Rückseite: Die Friedenskirche in Schweidnitz

Die denkmalgeschützte Friedenskirche in Schweidnitz ist ebenfalls auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.

Notgeld 50 Pfennige Lutherfestspiele Breslau 1921
Notgeldschein über 50 Pfennige. Auf der Rückseite ist das Rathaus von Breslau abgebildet.

Das Rathaus in Breslau ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Nach dem 2. Weltkrieg musste es restauriert werden. An der Südseite des beeindruckenden Gebäudes befindet sich seit 700 Jahren das bekannte Gasthaus “Schweidnitzer Keller”.

Notgeld 50 Pfennige Lutherfestspiele Breslau 1921
Auf der Vorderseite: “Eine feste Burg ist unser Gott”, ein bekanntes protestantisches Kirchenlied von Martin Luther.
Auf der Rückseite ist die Gnadenkirche in Hirschberg abgebildet.

Die Gnadenkirche ist seit 1957 ein römisch-katholisches Gotteshaus. Als Besonderheit ist im Inneren an der Unterseite der Kuppel eine im Jahr 1737 angebrachte Uhr. Das Ziffernblatt hat einen Durchmesser von fast 3 Metern und ist in einer Höhe von 25 Metern montiert. Die Zeiger sind 90 und 130 cm lang. In der Mitte des Ziffernblatts ist ein Kronleuchter aufgehängt.

Notgeld 50 Pfennige Lutherfestspiele Breslau 1921
Text auf der Vorderseite: „Gottes Wort u. Luthers Lehr’ / vergehen nun u. nimmermehr“

Heute sind diese Scheine beliebte Sammelobjekte.

In anderen Orten des Deutschen Reiches gab es anlässlich der 400jährigen Wiederkehr des Ereignisses zu Worms ebenfalls Festspiele, Gedenkveranstaltungen und besondere Gottesdienste. Neben Notgeldscheinen mit Luthermotiven und -zitaten wurden auch Gedenkmedaillen geprägt.

Ausgehend von der geringen Anzahl an online verfügbaren Verweisen auf die Thematik und Quellen im Internet liegt jedoch die Annahme nahe, dass es damals kein großes Interesse in der Bevölkerung gab.

Möglicherweise lag das Augenmerk eher auf den politischen und gesellschaftlichen Spannungen der ersten Jahreshälfte des Krisenjahres 1921: Die Alliierten des 1. Weltkrieges legten 1921 die Höhe der Reparationszahlungen fest. Teile des Rheinlandes wurden durch Frankreich und Belgien besetzt. In Oberschlesien fand die Volksabstimmung statt und das Gebiet wurde anschließend geteilt. Deutsche Freikorps eroberten die stärkste Befestigung der Polen in Oberschlesien, den Annaberg. In diesem Zusammenhang verübten beide Seiten in Nacht-und-Nebel-Aktionen über Grenzen hinweg zahlreiche politische Morde.

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