Im “Washington-Journal von 1962” gibt es einen Bericht zum 70-jährigen Bestehen des kleinen Ortes SILESIA. In welchem Zusammenhang betrifft es die Grafschaft Glatz?
Robert Stein aus Rengersdorf kaufte 1892 in der Nähe von Fort Foote
(Fort Washington), im Staate Maryland, drei große Farmen. Es war sein Wunsch, das Farmland in eine schlesische Ansiedlung umzuwandeln. Dem kleinen Ort am Potomac River gab er den Namen „SILESIA“ , das lateinische Wort für Schlesien.
Robert Stein (Polarforscher)
wurde am 09.01.1857 in Rengersdorf (heute Krosnowice) geboren. Seine Eltern waren der Gärtner Joseph Stein und Francisca Casper. Er besuchte das Gymnasium in Glatz. Im Jahr 1875 erfolgte seine Auswanderung in die USA. Sein Berufswunsch war zunächst Priester. So schrieb er sich an der Georgetown University in Washington, D.C. ein, die von Jesuiten geleitet wurde. 1886 schloss er zwar seine Studien als Doktor der Medizin ab. Praktizierte aber vermutlich nicht als Arzt. Durch seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse arbeitete er freiberuflich und beim United States Geological Survey als Übersetzer.
R. Stein entwickelte in den 1890er Jahren Pläne für eine mehrjährige systematische Erforschung der arktischen Gebiete westlich von Ellesmere Island, die zu dieser Zeit noch unbekannt waren. Die Expedition fand von 1899-1901 statt. Er engagierte sich nach seiner Rückkehr für die amerikanische Friedensbewegung.
Robert Stein blieb Junggeselle. Seine Schwestern, die ebenfalls ausgewandert waren, führten ihm den Haushalt in seinem Haus, welches er „New Glatz“ nannte. Am 21. April 1917 beendete er sein Leben durch Suizid.
SILESIA und die ersten Siedler
Robert Stein beschäftigte sich in seiner Freizeit mit Landtransaktionen und gelangte schnell zu Wohlstand. 1892 erwarb er außer den drei Farmen noch das Landgut „New Glatz“, heute Harmony Hall in Fort Washington, Maryland. Durch seine Bemühungen wurden ein Postamt und eine Schule in der neuen Ortschaft „Silesia“ eingerichtet. Im Buch „Fort Washington“ , Seite 107, wird die Schule als einstöckiges Gebäude, erbaut im Jahr 1902, beschrieben.
Robert Stein kannte einige Leute aus der Grafschaft Glatz, die zu Auswanderungen bereit waren. Die genaue Anzahl der Schlesier, die nach Silesia kamen, lässt sich nicht nachweisen. Unter den ersten Ansiedlern war Joseph Tilch aus Rengersdorf mit Familie. Außerdem die Familien Wilhelm Bittner und Joseph Adler aus Falkenhain bei Glatz.
Das Landgut bezog Robert Stein mit den Familien seines Bruders Richard und seines
Schwagers Joseph Adler. Richard und Joseph betrieben einen Lebensmittel-,
Joseph Tilch einen Futtermittelhandel.
Im Jahr 1938 lebten noch in Silesia: Robert Tilch, Joseph Adler, Franz Walzel
Hermann Fischer, ebenfalls aus Rengersdorf, zog weiter nach Anacostia, wo er ein erfolgreicher Immobilienhändler wurde. Ein separater Beitrag zur Familie Fischer folgt demnächst.
Joseph Tilch
geboren 1851 in Eisersdorf, war verheiratet mit Anna Stein. Sie war eine Schwester von Robert Stein. Anna war Hebamme in Rengersdorf. Die Auswanderung fand 1896 mit den Kindern, Richard, Martha und Robert, statt.

Quelle: Familysearch – Baltimore, die Wanderungsdokumente 1870-1871, Aufnahme 3930
Der amerikanische Ankunftshafen war Baltimore. Sechs weitere Kinder wurden in Maryland geboren. Im Census von Maryland im Jahr 1930 sind einige Mitglieder der Familie angegeben.
Beim 70-jährigen Bestehen von „Silesia“ wird eine Tilch-Farm in der Nähe von
Ft. Washington erwähnt. Das ungewohnte Bild der Farm im Jahr 1962 erinnerte an einen Bauernhof in der alten Heimat Rengersdorf: Ziegen, Pferde, Kühe, Gänse und Schafe wanderten einträchtig über den Hof und die Wiesen.
Schlussbemerkung:
In den US-Online-Zeitungsarchiven findet man oft Spuren von Auswanderern und deren Biographien. Wie in diesem Fall der Bericht vom 30. März 1962 im Washington-Journal zeigt.
Die neuen Siedler in „Silesia“ brachten Mut, Tatkraft und Fleiß aus der Grafschaft Glatz mit. Sie schafften für sich und ihre Familien ein gutes Leben in der neuen Heimat. Ob es heute noch Nachkommen von Grafschafter Familien in der Gegend um Fort Washington gibt, ist nicht bekannt.




