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Damals Kultur Rezepte

Schlüsselfolgen in der Weihnachtsküche

Ölgemälde von Albert Chevallier Tayler (1862-1925): The Christmas Tree, 1911
Ölgemälde von Albert Chevallier Tayler (1862-1925): The Christmas Tree, 1911

Bei der Zusammensetzung der Schlüsselfolgen, d. h. der festgelegten Menüfolge des Festessens am Heiligen Abend, gab es je nach Kreis große Unterschiede, denn man verarbeitete in der Hautsache alles, was der eigene Garten, bzw. die Region hergab und vor allen Dingen was dem Volksglauben entsprach.

Dementsprechend waren, was die Zutaten, deren Zusammenstellung und Anzahl des Aufgetischten anging, vielerorts große Unterschiede erkennbar.

Das „Neunerlei“ gehörte zu einer Reihe von Neujahrsbräuchen. Der 25. Dezember galt vor Verkündung des gregorianischen Kalenders im Jahre 1582 als Jahresanfang. Gemäß heidnischer u. christlicher Überlieferung wurde dementsprechend alles getan, um die Prognosen für das neue Jahr günstig zu gestalten.

In Form der „Schlüsselfolgen“ wurde dieser wichtige Volksglaube vielerorts umgesetzt und Zutaten verwendet, denen besondere Bedeutungen beigemessen wurden.

Siebenerlei

Aus den Orten östlich der Oder bekannt, es bestand aus Zutaten wie Grünkohl mit Wurst, oder Schweinefleisch mit Sauerkraut, Mohnklößen, Karpfen, gebackenen Birnen und Pilzen, sowie Brinkelhirse und Semmelmilch, welcher auch „Weißer Dragoner“ genannt wurde.

Neunerlei

Aus der Gegend um Jauer und Sprottau ist beispielsweise das „Neunerlei“ bekannt, mit der Wasser-, oder gelben Suppe, Erbsen, Hirse, Kraut, Karpfen, gebackenen Birnen, Pilzen, Butternudeln und Mohnklößen. Ferner gab es Andernorts das sog. „Schlesische Himmelreich“, bestehend aus Rauchfleisch mit Backobst, Pilzen und Klößen.

Überdies gehörte in der Grafschaft Glatz die sog. Biersuppe mit Pfefferkuchen, Honig, Rosinen und Mandelkernen auf den Tisch. Äpfel, Nüsse und Pfefferkuchen gehörten allgemein zur schlesischen Weihnacht und durften auch hier nicht fehlen.

Bedeutung am Beispiel einiger der neun unentbehrlichen Ingredienzien

Sauerkraut, Sauerkraut und nochmals Sauerkraut. Es erhält, am heiligen Abend gegessen, die Gesundheit!

Jedoch passte nicht alles zum Sauerkraut. Wichtig war, dass das Fleisch von Tieren (Wurst oder Schweinefleisch erfüllten diesen Zweck), oder die drei Elemente in Form von Erde, Luft und Wasser auf den Tisch kamen.

Eine Schüssel Erbsen, aus der sich jeder einen Löffel voll nahm, durfte beim Festessen nicht fehlen. Das Gemüse stand für genügend Geld im neuen Jahr.

Ferner musste die Natur mit etwas Quellendem begrüßt werden, aus dem Wohlbefinden und Wachstum hervorgingen. Daher durfte «Hirse» nicht fehlen. Als Alternative standen zudem Linsen zur Verfügung! Gebackene Birnen, oder Äpfel ließen die Hirse besser rutschen.

Nach dem Kirchgang

Nach dem Festessen erfolgte die Bescherung. Danach ging man gemeinsam zur nächtlichen Christmette. Wenn man nach dem Kirchgang nach Hause kam, wurden Moon-Kließla“, eine traditionelle auflaufartige Süßspeise zu später Stunde auf den Tisch gestellt, welche nach der kalten Nacht und dem oft langen Fußmarsch dankbar angenommen wurden.

In Schlesien sind viele Bräuche überliefert, welche noch heute insbesondere am Heiligen Abend überall auf der Welt von uns, den Nachkommen unserer schlesischen Vorfahren gepflegt werden.

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