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Damals Grafschaft Glatz Post(karten)

Die Wallfahrtskirche in Albendorf

Ansichtskarte von Albendorf 1906
Ansichtskarte mit den wichtigsten Entwicklungsstationen der Wallfahrtskirche von Albendorf. Gelaufen am 12. August 1906 nach Berlin. Die Kartenränder wurden vermutlich beschnitten, damit sie in einen Bilderrahmen passte.

Der Marienwallfahrtsort Albendorf (Wambierzyce) liegt am Fuße der Heuscheuer und ist auch unter dem Namen „Schlesisches Jerusalem“ bekannt. Seit über 800 Jahren pilgern Gläubige zum Albendorfer Gnadenbild.

Das Gnadenbild stellt die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind dar. Die aus Lindenholz gefertigte Figur ist nur ca. 28 cm groß und in lange Gewänder gehüllt. In der linken Hand hält Maria einen Granatapfel, das Kind hält in der Rechten einen kleinen Vogel. Es streckt seine linke Hand nach dem Granatapfel aus. In der christlichen Symbolik steht der Granatapfel für ewiges Leben, das Wort Gottes, die Gemeinschaft der Gläubigen und auch für Macht. Der Vogel symbolisiert die durch Jesu Opfertod geretteten Seelen.

Nach einer Legende betete um das Jahr 1218 ein blinder Mann namens Jan täglich unter einer Linde sitzend um die Wiedererlangung seines Augenlichts.

Am Stamm des Baumes war eine Marienfigur aufgestellt, die um 1200 der damalige Gutsherr von Schloss Rathen hatte anfertigen lassen, nachdem er eine Marienerscheinung gehabt hatte. Wie man heute weiß, ist das Gnadenbild später geschaffen worden, etwa um das Jahr 1380.

Eines Tages stieß sich Jan heftig an dem Baum und fiel zu Boden. Als er sich wieder aufrichtete, konnte er wieder sehen und erblickte als erstes das lichtumstrahlte Bildnis der Gottesmutter mit dem Kind im Baum. Er fiel auf die Knie und betete voll Dankbarkeit, bis er von seiner Familie dort vorgefunden wurde. Die Nachricht des Wunders verbreitete sich schnell. Bald wurde am Fuß der Linde ein steinerner Altar errichtet, sowie Leuchter und ein Weihwasserbecken aufgestellt. Die Statue wurde seitdem als wundertätig verehrt und von vielen Menschen aufgesucht. 

Ausschnitt: Gnadenbild
Jan dankt für sein wiedererlangtes Augenlicht. Seine Tochter nähert sich und wird Zeuge des Wunders.

1261 errichtete man neben der Linde eine erste kleine Holzkirche (Erst ab 1418 ist das Vorhandensein einer Kirche sicher nachgewiesen.). Da beim Bau des Kirchleins Engel mitgeholfen haben sollen, wurde es auch Engelbau genannt. Es soll in den Hussitenkriegen zerstört worden sein.

Ausschnitt: Erste Kirche Engelbau
Neben der Linde bauen Engel an der ersten Kirche.

1512 wurde durch Ludwig von Pannwitz eine gemauerte Kirche errichtet. 1534 gab es im Gebäude vier Altäre, einen weiteren draußen auf dem Kirchhof.  Etwa hundert Jahre später, während dem 30jährigen Krieg, wurde auch diese Kirche stark beschädigt.

Die erste bekannte Prozession nach Albendorf ist für das Jahr 1651 belegt, aber nach dem 30jährigen Krieg gab es eine längere Zeit keine regelmäßigen Wallfahrten.

Von 1683 bis 1708 ließ Daniel Paschasius von Osterberg, Herr auf Schloss Rathen1 und ein großer Marienverehrer, den Kalvarienberg erbauen. Der Weg geht teilweise über Treppen vorbei an 45 Kapellen und Bildwerken, die das Leiden und Sterben des Erlösers darstellen. Weiter oben stehen die drei Kreuze von Golgotha, dann geht es wieder abwärts bis zum Hl. Grab.

Von Osterberg wollte in Albendorf eine Kopie Jerusalems erschaffen, um den Gläubigen einen Ersatz für eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu bieten.

Ausschnitt: Kalvarienberg
Der Kalvarienberg

Um 1700 wurde die Kirche als gewaltiger dreischiffiger Bau erneuert. Da die Fundamente der Kirche aber nachgaben, musste sie aufgrund dieser Baumängel schon 1713 wieder abgerissen werden. Lediglich die Renaissance-Fassade blieb stehen.

Ausschnitt: Denkmal
Denkmal des Daniel Paschasius von Osterberg

Die Fassade kann in der heutigen Zeit abends mit über tausend Lampen illuminiert werden, aber auch schon vor dem 2. Weltkrieg zeigen Ansichtskarten die mit hunderten von Glühbirnen beleuchtete Gebäudefront.

Die jetzige barocke Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ stiftete 1716–1721 der neue Grundherr von Albendorf Graf Franz Anton von Götzen

Ausschnitt: Kirche
Die Wallfahrtskirche um 1900

Die ersten 33 Stufen der großen Freitreppe entsprechen der Anzahl der Lebensjahre Jesu Christi. Die sich anschließenden drei kleineren Treppen haben jeweils 15 Stufen, der Anzahl an Lebensjahren der Gottesmutter Maria bis zur Geburt Jesu.

Ausschnitt: Das Gnadenbild mit Altar
Das Gnadenbild als Teil des Altars in der heutigen Kirche.

Im Laufe der Zeit wurden unter anderem Statuen ergänzt, sowie Deckengewölbe und Wände der Kirche ausgemalt.

1936 wurde die Wallfahrtskirche von Papst Pius XI. in den Rang einer Basilika minor erhoben.

1980 wurde das Gnadenbild im Auftrag von Papstes Johannes Paul II. gekrönt und erhielt den Titel „Königin der Familien“.

2018 feierte Albendorf das 800jährige Jubiläum.

Auch heute noch kommen jährlich viele tausende Wallfahrer aus dem In- und Ausland zur Albendorfer Madonna.

Quellen:

Roland Gröger, Marek Sikorski: An der Grenze der Legende und des Glaubens, Sehenswürdigkeiten und Kunstschätze der Grafschaft Glatz. Glatzer Heimatbücher Band 11. Marx Verlag (1994)

Jörg Marx: Durchs Glatzer Land – Ein Erinnerungsbuch an die Grafschaft Glatz. Marx Verlag (1972)

  1. Ursprünglich der Rittersitz Hradek (tschechisch für “kleine Burg” oder Schlösschen) ↩︎

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