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Krankenhaus Lauchheim 1939 bis 1945 – ein Ort des Sterbens?

Das Bild zeigt Zwangsarbeiterinnen der Collis-Werke Westhausen in der Zeit von 1942 - 1945
Collis-Werke Westhausen, Zwangsarbeiterinnen 1942-45

Ein bundesweit ausgeschriebener Wettbewerb hat der Forschungsgruppe Grafschaft Glatz eine besondere Projektteilnahme beschert. In Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und dem Deutschen Polen Institut in Darmstadt wurde dazu aufgerufen, Schicksale der Jahre 1939 bis 1945 bekannt zu machen. Gerold Wenzel als Vorsitzender der FGG konnte im Frühjahr 2023 zunächst aussagekräftige Bewerbungsunterlagen einreichen. Im weiteren Verlauf wurde Lauchheim erfolgreich als eine von nur acht Initiativen aus ganz Deutschland ausgewählt. Sämtliche Rechercheergebnisse sollen so den Weg zur Eröffnung einer Berliner Gedenkstätte zum Gedenken an polnische Opfer während des II. Weltkriegs bereiten.

Gemeinsam mit der Deutschorden-Schule Lauchheim werden dabei zu Tode gekommene Zwangsarbeiterinnen und Arbeiter wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Damit ist unsere Initiative bundesweit die einzige mit maßgeblicher Beteiligung von Schülerinnen und Schülern einer Bildungseinrichtung.

Zwei Vertreter des Deutschen Polen Instituts Darmstadt (DPI) waren Mitte November 2023 zu einem ersten Workshop in Lauchheim. Im Rahmen des Workshops konnte das DPI alle Projektbeteiligten kennen lernen. Vorrangig die Schülerinnen und Schüler, Leiterin Gudrun Gehringer, Referendarin Caroline Fritz und Geschichtslehrer Michael Graule als Vertreterinnen und Vertreter der Deutschorden-Schule. Darüber hinaus Bürgermeisterin Andrea Schnele und die Stolpersteininitiative Lauchheim mit Peter Maile sowie Gerold Wenzel, der sich federführend als Vertreter der Forschungsgruppe Grafschaft Glatz verantwortlich zeichnet.

Was aber hat die schwäbische Kleinstadt Lauchheim, und viele Städte und Gemeinden mehr in Deutschland, mit Polen zu tun? Sehr viel, wenn man die letzten sichtbaren Spuren deuten kann. Auf dem Lauchheimer Friedhof ist noch heute ein Grabstein mit Namen von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern umliegender Rüstungsbetriebe zu finden, so auch zwangsverpflichtete polnische Bürger. Dies sollte zunächst der Ansatz für weitere Recherchen sein.

Im Lauchheimer Krankenhaus sind diese Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, teils schwangere Frauen und deren Säuglinge, in den Jahren der Naziherrschaft zu Tode gekommen. Die ganze Zahl an Opfer und deren Namen sowie deren Herkunftsorte werden nun für die Nachwelt so detailliert als möglich recherchiert und dokumentiert. Des Weiteren werden Schülerinnen und Schüler sensibilisiert, sich kritisch mit den Taten der Naziherrschaft auseinander zu setzen. Durch die FGG angestoßen, wird deshalb im Schuljahr 2023/24 an der Lauchheimer Deutschorden-Schule eine freiwillige Geschichts-AG angeboten, bei der sich interessierte Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassenstufen freiwillig zusammenfinden.

Wenn unsere Rechercheergebnisse zunächst den beteiligten Schülerinnen und Schülern sowie im weiteren Verlauf der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, wird deutlich, dass Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter auch vor unseren Haustüren unsägliches Leid erfahren mussten. Teils bis in den Tod. Dieses Bewusstsein darf nicht schwinden. Zudem ist es Aufgabe nachfolgender Generationen immer wieder an die dunkle Zeit der Naziherrschaft zu erinnern. Das Stadtarchiv Lauchheim wird unsere Ergebnisse aufnehmen und bewahren. Broschüren, Bücher und Gedenksteine sowie verschiedene digitale Medien erinnern und mahnen darüber hinaus.

Mit unserer Projektarbeit möchten wir eine breite Öffentlichkeit ansprechen, regional wie überregional. Wir möchten informieren und sensibilisieren. Gerne auch Menschen in Polen erreichen. Wir möchten zu einem besseren Miteinander beitragen. Nicht, indem wir Ergebnisse liefern, welche einzig die Verbrechen der Vergangenheit aufzeigen, damit bei einschlägigen Gruppen der gegenseitige Hass weiter geschürt wird. Wir wollen vielmehr dazu beitragen, dass in Deutschland und in Polen verstanden wird, wie heutige Generationen an einer Aufarbeitung mitwirken. Das sogenannte „kollektive Gedächtnis“ und die Reflexion der Vergangenheit spielt dabei für uns eine wichtige Rolle. Deutungen der Geschehnisse können – und müssen -teilweise sogar aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und dargestellt werden, damit wir gemeinsam besser verstehen.

Im besten Falle multiplizieren wir das Verständnis für unsere beiderseitige deutsch-polnische Geschichte. Die weitere Zukunft in freundschaftlicher Nachbarschaft gestalten sollte unser vorrangiges Ziel sein.

Unsere Initiative möchte davon profitieren, dass Verknüpfungspunkte und vielleicht sogar Freundschaften zu polnischen Gemeinden, den Herkunftsorten der hier zu Tode gekommenen Opfer, zu dortigen Schulen und letztlich zu einzelnen Privatpersonen entstehen. Diese Kontakte sollen zu einem besseren Miteinander beitragen und gegebenenfalls gegenseitige falsche Vorstellung der jeweils anderen Kultur ausräumen. Jede Einzelinitiative für sich zeigt nach und nach die Vielzahl der Verbrechen an eigentlich allen Orten Deutschlands. Wir wünschen uns darüber hinaus, dass sich weitere Initiativen auf dem Weg machen, um allenorts Geschichte sichtbar machen.

https://www.deutsches-polen-institut.de/assets/downloads/Polen-Ort/DPHaus-Eckpunktepapier202308-DE.pdf

https://www.deutsches-polen-institut.de/politik/deutsch-polnisches-haus/aktuelles/

doc icon Pressemitteilung-BKM.pdf
doc icon Informacja-prasowa-BKM2.pdf

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