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Die Rauhnächte

Die zwölf magischen Nächte zwischen der Wintersonnenwende, beginnend am 21.  oder 24. Dezember, bis zum Dreikönigstag am 6. Januar,  bilden den Übergang zwischen dem alten und neuem Jahr. Als Redewendung ist auch „zwischen den Jahren“ gebräuchlich. Kaum eine andere Zeit des Jahres ist so vielfältig mit Traditionen und Aberglauben behaftet.

Der Ursprung

des 12- bzw. 13-tägigem Zeitraums ist begründet im Unterschied  der Jahreseinteilung des Mond- und Sonnenkalenders. Zwischen beiden Kalendern gibt es eine Zeit-Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten zum astronomisch korrektem Sonnenumlauf von 365 Tagen.

Das Gemälde zeigt Papst Innozenz XII von Antonio Zanchi https://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_XII.#/media/Datei:Antonio_Zanchi_%E2%80%93_Papa_Innocenzo_XII.jpg
Antonio Zanchi, Papst Innozenz XII

Im Jahr 1691 legte Papst Innozenz XII den letzten Tag des Jahres verbindlich fest, den
31. Dezember. An diesem Tag feiert die katholische Kirche den Todes- und Gedenktag von Papst Silvester I.

Aberglauben

Die Rauhnächte waren immer voller Geheimnisse und Magie. Man muss sich die langen und kalten Winterabende und -nächte in der Grafschaft Glatz vorstellen: Dunkel und kalt. In  Vorzeiten gab es kein elektrisches Licht. Man saß abends bei Kerzenschein zusammen und erzählte sich Geschichten von unheimlichen Begegnungen und Geistern.

Traditionen

„Zwischen den Jahren“ war früher eine arbeitsfreie Zeit. Man besuchte Verwandte und Bekannte. So manches Kind bekam zu Weihnachten einen neuen Schlitten und konnte ihn bei klirrender Kälte und Schneefall ausprobieren. Es galten aber Regeln und Verbote, die für diese Zeit einzuhalten waren.  Frauen in der Grafschaft sollten vor allem über Silvester und Neujahr keine Wäsche zum Trocknen aufhängen.

Man glaubte, dass dies Unglück bringt. Der Bauer notierte das Wetter im Kalender. Da man davon ausging, dass es ausschlaggebend für die nächsten Monate im kommenden Jahr war. Ebenso sollten die Träume in den zwölf heiligen Nächten eine Vorbedeutung für die kommenden Ereignisse haben.

Der Stärztag

Der 2. Januar hatte in der bäuerlichen Gesellschaft eine Bedeutung. Der althergebrachte „Stärztag“ (stürzen, umziehen von der Dienststelle) war für Knechte und Mägde ein besonderer Tag. Der Bauer  holte die neuen Dienstboten mit Sack und Pack ab. Die Beförderung fand mit bespannten Schlitten oder anderen Fahrzeugen statt. Wenn dieser Tag auf einen Sonntag fiel, war es der nächste Wochentag.
War der Bauer mit den neuen Arbeitskräften nicht zufrieden oder umgekehrt, erfolgt die Kündigung nach 14 Tagen. In manchen Gegenden wurde dann am 2. Februar, Maria Lichtmess, wieder „gestärzt“ (umgezogen).


Abholung der neuen Magd am Stärztag (KI generiert) 10.12.2025 Akreuz
Abholung der neuen Magd am Stärztag (KI generiert) 10.12.2025 Akreuz

Ende der Weihnachtszeit

Maria Lichtmess beendete früher die Weihnachtszeit in der Grafschaft Glatz.
Die meisten Familien verabschiedeten sich traditionell an diesem Datum von der Weihnachtszeit. Die Krippe wurde abgebaut und  der Weihnachtsbaum aus der Wohnstube geräumt.

Quelle:
 „Die goldene Schnur geht um das Haus“ von Alois Bartsch, Marx-Verlag, Seite 19-23

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