Bei einem Spaziergang durch Mittelsteine während unserer Jubiläumsreise im Juni führte uns unser Weg zur Kirche und am Schulhaus vorbei.
Die Informationen auf der Gedenktafel am Schulhaus beschränken sich auf die wichtigsten Daten.
Wieder daheim angekommen konnten ein paar Hintergrundinformationen gefunden werden:
Paul Elsner wurde am 11. August 1865 im Schulhaus von Mittelsteine, Kreis Neurode geboren. Seine Eltern waren der Hauptlehrer und Kirchenchorleiter August Elsner (zuletzt wohnhaft und gestorben in Schlegel) und dessen Ehefrau Anna geb. Klose.
Von seinem Vater erhielt Paul Elsner den ersten Musikunterricht, wodurch er das Spielen mehrerer Instrumente erlernte, darunter Orgel und Klavier. Bereits im Alter von 12 Jahren komponierte er einen Marsch, der bei einem Konzert in seinem Heimatort aufgeführt wurde.
Beruflich trat Elsner in die Fußstapfen seines Vaters. Nach dem Besuch der Präparandie in Landeck und dem Lehrerseminar in Habelschwerdt erhielt er seine erste Anstellung als Hilfslehrer in Walditz bei Neurode.
Schon nach einem Jahr, im Sommer 1887, wechselte er an die katholische Volksschule in Neurode, wo er bis zum Tag seiner Pensionierung am 1. April 1925 wirkte. Darüber hinaus leitete er Chöre, gab Gesangsunterricht, leitete große musikalische Aufführungen und organisierte Sängerfahrten unter anderem nach Langenbielau und Braunau.

Der engagierte Lehrer und Musikliebhaber komponierte Klavier- und Orchesterwerke sowie viele kirchliche und weltliche Chorlieder, die zum Volksgut wurden. Paul Elsner vertonte auch Robert-Karger-Texte, z. B. “Ein Sommer”, “Der Wenter ies schien”, “Es leit ei a Barja”. Die Vertonung des Gebets von Emanuel Geibel(1815-1884) “Herr, den ich tief im Herzen trage” für Männerchöre wurde preisgekrönt. Im Jahr 1906 trugen in Lauban 600 Sänger des Niederschlesischen Sängerbundes dieses Musikstück gemeinsam vor.
Joseph Wittig schrieb in seiner Chronik von Neurode, Elsners Kirchenkonzerte, Passionen und Chorwerke seien Erlebnisse gewesen und laut seinem Nachruf in der Katholischen Schulzeitung konnte er meisterhaft Orgel spielen.
Am 9. August 1892 heiratete Paul Elsner in Neurode Louise Richter, die Tochter des verstorbenen Gasthofbesitzers Heinrich Richter, zuletzt Neurode, und der Louise geb. Galle, wohnhaft in Neurode. (StA Neurode Eheschließungen Nr. 27/1892 und Kath. KB Neurode Eheschließungen Nr. 57/1892).
Louise war dortselbst geboren am 3. Februar 1869 (Kath. KB Neurode Taufen Nr. 30/1869). Der väterliche Großvater Franz Richter war Gasthofbesitzer in Neurode, der mütterliche Großvater Ernst Galle war ein Gastwirt in Silberberg.
Mindestens drei Kinder wurden geboren:
- Am 7.10.1897: Elisabeth Maria (Kath. KB Neurode Taufen Nr. 338/1897 und StA Neurode Geburten Nr. 181/1897).
- Am 23.10.1902: Rudolf (Kath. KB Neurode Taufen Nr. 474/1902)
- Am 15.01.1906: Johanna (Kath. KB Neurode Taufen Nr. 24/1906)
Paul Elsner starb am 18. Dezember 1933 in Neurode. Angezeigt wurde dies beim Standesamt durch seine bei ihm in der Magnisstraße 37 wohnenden Tochter, der Stenotypistin Maria Elsner (StA Neurode Todesfälle Nr. 161/1933).
Drei Tage später, am Tag der Wintersonnenwende, fand die Beerdigung statt. Nach alter Grafschafter Sitte wurde sein Sarg dreimal auf der Schwelle des Hauses abgesenkt und wieder angehoben. Dies sollte dem Toten signalisieren, dass er nun seine Wohnung für immer verließ und seine Seele in die jenseitige Welt übertreten würde.
Dann zog der große Trauerzug aus Lehrerschaft, Schulkindern, Chören, Gesangvereinen, Kapelle, Freunden und Angehörigen unter Gesang zur Pfarrkirche. Zum Abschluss des Requiems ertönte seine schon erwähnte Vertonung des Geibelschen Gebetes. Am Grab trugen die Sänger sein „Hemtelied“ vor: „Durt, wu die hucha Barje stiehn, ei meiner Hemte schläft sichs schien.“. Er wurde im Grab seiner Mutter beigesetzt.
Quellen:
Paul Elsner – Wikipedia, wolna encyklopedia
(leider nur auf Polnisch vorhanden)
Aloys Bernatzky: Lexikon der Grafschaft Glatz, Glatzer Heimatbücher , Band 8. Marx Verlag, Leimen/Heidelberg (1984)
Nachruf in: Katholische Schulzeitung für Norddeutschland, 1934, Jg. 51, Nr. 2, Seite 29
Joseph Wittig, Emanuel Zimmer, Udo Lincke: Chronik der Stadt Neurode, Stadt Neurode (1937) Seite 519


