Adolph Friedrich Erdmann Menzel (ab 1898 von Menzel) wurde am 8. Dezember 1815 in Breslau geboren. Sein Geburtshaus war das „Haus zur Goldenen Muschel“, Albrechtstraße Nr. 33.
Seine Eltern waren Carl Erdmann Menzel (1787–1832) und dessen Ehefrau Charlotte Emilie geb. Okrusch (1794–1846). Der Vater leitete eine Mädchenschule, entschloss sich aber 1818 dazu, eine lithografische Druckerei zu gründen. Die Mutter war die Tochter des Zeichenlehrers Johann Gottlieb Okrusch (1751–1829), der am Breslauer Elisabethgymnasium unterrichtete.
Menzels Schwester Emilie kam am 10. Juli 1823 zur Welt, sein Bruder Richard am 18. Oktober 1826. Ab 1822 besuchte Menzel eine evangelische Volksschule in Breslau. Er wurde sowohl von seinem Zeichenlehrer, als auch von seinem Vater und Großvater künstlerisch gefördert. Schon bald arbeitete der Junge in der Druckerei seines Vaters mit. 1830 zog die Familie nach Berlin um, da der Vater sich dort bessere berufliche Möglichkeiten erhoffte.
Als der Vater 1832 plötzlich verstarb, führte der 16jährige Adolph Menzel die Steindruckerei allein weiter, um seine Mutter und die Geschwister zu versorgen. Wie erhalten gebliebene Briefe dokumentieren, unterstütze er darüber hinaus die ärmere schlesische Verwandtschaft bis an sein Lebensende.
Für kurze Zeit besuchte Menzel 1833 die Berliner Künstlerakademie, verließ sie aber enttäuscht wieder. Das Lerntempo war ihm zu langsam und die Lerninhalte gefielen ihm nicht. Auch blieb ihm durch die Unterrichtszeiten zu wenig Zeit für seine Arbeit. Allerdings entwickelten sich die dort gemachten Bekanntschaften teilweise zu lebenslangen Freundschaften. Menzel bildete sich autodidaktisch weiter und malte fast ununterbrochen wie besessen mit unterschiedlichen Medien. In den Berliner Kunstsammlungen studierte er die Motive und Techniken der venezianischen, holländischen und französischen Maler des 17. und 18. Jahrhunderts.
Als Autodidakt war Adolph Menzel nicht an Anforderungen von Lehrern und der Mode unterworfenen Stilrichtungen gebunden. Viele Techniken und Motivkompositionen erarbeitete er sich selbst und entwickelte so neue Ausdrucksformen.
Kein Motiv war vor ihm sicher. Sein lebenslanges Motto war: „Alles Zeichnen ist gut, alles Zeichnen noch besser.“ Er war der Überzeugung, dass nur Übung den Meister mache und jede angefertigte Skizze eines Tages die Inspiration zu einem Bildelement werden könne. Menzel war bekannt dafür, ständig sein Zeichenmaterial bei sich zu haben. In den Taschen von Mantel und Rock waren Skizzenbücher, Stifte und ein Radiergummi immer griffbereit. Ständig sah man ihn mit einem Bleistift in der Hand Personen, Tiere oder beliebige Gegenstände zeichnend – bei einer Abendgesellschaft, auf einer Parkbank sitzend, im Restaurant oder auch während der Fahrt im Eisenbahnabteil.
Der Künstler konnte sowohl mit der rechten (in Öl) als auch mit der linken Hand (Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen) gleichermaßen gut zeichnen und malen.
Anfangs bestand seine Arbeit darin, vorwiegend Flaschenetiketten, Gesellenbriefe, Seifenverpackungen, Festprogramme und Urkunden zu entwerfen. Egal wie klein der Auftrag war, so war sein Anspruch, trotzdem jederzeit nur Perfektion abzuliefern. Die Ausführung war oft besser als verlangt und nötig gewesen wäre.
Allmählich bekam er höherwertigere und umfangreichere Aufträge, wie z. B. Illustrationen für Bücher und Gedichtbände. So entstanden innerhalb von drei Jahren ca. 400 Federzeichnungen für Franz Kuglers (1808-1858) „Geschichte Friedrichs des Großen”.
Seine Bildmotive rund um Friedrich den Großen machten ihn bekannt. Menzel recherchierte mit äußerster Sorgfalt historische Fakten, individuelle Eigenheiten der abgebildeten Personen und kleinste Details, wie z. B. die genauen Abstände der Knöpfe auf den Ärmeln von Uniformen.

Als Feldmarschall Graf von Moltke mit einem Fernglas gemalt werden sollte, wurde akribisch nachgeforscht, welches Fernglas dieser tatsächlich verwendet hatte. Selbst Details wie die Farbe und Beschaffenheit des Etuis waren dem Künstler wichtig. Die Vorstudien zu den Bildern wurden somit auch zu Kunstwerken.

Wer ein Bild des Künstlers sein Eigen nennen wollte, musste Geduld haben. Oft dauerte es mehrere Jahre, bis ein Bild von ihm als fertig erklärt wurde. Manche Gemälde blieben aber auch unvollendet, wenn Menzel z. B. wegen einer geänderten politischen Lage keinen Sinn mehr in der Fertigstellung sah.
Als Menzel einmal eine Vignette zeichnen sollte, hatte er den Abgabetermin vergessen und wurde erst durch die Ankunft des Sohnes des Auftraggebers im Atelier daran erinnert. Innerhalb von zwanzig Minuten war die Zeichnung fertig. Der junge Mann war über den geforderten Betrag von 250 Talern1 sehr erstaunt und fragte, ob dies nicht zu viel sei für nur zwanzig Minuten Arbeit. Der Maler antwortete: „Junger Freund! Um diese Vignette in zwanzig Minuten zeichnen zu können, habe ich siebzig Jahre meines Lebens als Lehrzeit gebraucht.”
Bereits zu Lebzeiten entwickelten sich die Werke zu Spekulationsobjekten und wurden daher unter anderem gern von Bankiers gekauft. Schon nach kurzer Zeit konnten sie für ein Mehrfaches des ursprünglichen Preises weiterverkauft werden.
Das Bild der Arbeiter im Eisenwalzwerk ist das wohl bekannteste Werk zur Thematik der Industriellen Revolution. Das Werk zeigt die Fabrikhalle der oberschlesischen Königshütte, einem Walzwerk für Eisenbahnschienen.
„Das Balkonzimmer” gilt als wegweisendes Gemälde und Vorläufer des Impressionismus.
Menzel war in Berlin eine bekannte Persönlichkeit. Zahlreiche Anekdoten wurden schon zu seinen Lebzeiten erzählt. Viele bekannte Personen suchten seine Bekanntschaft zu machen, er war oft zu Gast bei Hofe.
Im Dezember 1865 vollendete Menzel nach unzähligen Skizzen und mehreren farbigen Entwürfen das monumentale Bild der Krönung Wilhelms I. zum preußischen König in der Schlosskirche zu Königsberg am 18. Oktober 1861 mit seinen 132 Portraits. Der König hatte viele „Verbesserungsvorschläge”, unter anderem wollte er sich jünger, größer und edler dargestellt sehen. Mit jedem der 132 bei dem Ereignis anwesenden Personen vereinbarte der Perfektionist Menzel Sitzungstermine. Dies war sehr zeitraubend und nicht jeder war kooperativ. Königin Augusta konnte er z. B. nur ersatzweise auf Hoffesten skizzieren, da sie die erforderlichen Sitzungen verweigerte.
Bei vergleichbaren Gelegenheiten stand der Künstler um einen besseren Überblick zu haben auf einem Stuhl oder einer Bank mit dem Skizzenbuch in der Hand.
Wegen seiner Kleinwüchsigkeit, er war nur ca. 1,40m groß, nannte man ihn „die kleine Exzellenz“. Allerdings gab man ihm auch weniger schmeichelhafte Beinamen („giftige kleine Kröte“), wenn er sich z. B. weigerte, bei dem Portrait eine Dame der realen „Schönheit“ etwas nachzuhelfen. Er malte ausschließlich nach der Realität und suchte sich seine Motive zu seinen Bedingungen aus (es sei denn, beim Auftraggeber handelte es sich um den König).
Menzel war einzelgängerisch, schlagfertig und oft sarkastisch in seinen Antworten, knurrig oder schroff wenn man ihn bei der Arbeit oder beim Essen störte, manchmal fast grob, aber er war auch humorvoll. Er nahm keine Rücksicht auf hochgestellte Persönlichkeiten, jeder wurde bei ihm gleich behandelt. Bei Verabredungen oder Veranstaltungen kam er immer zu spät, weil er lieber noch etwas fertig malen wollte. Menzel war stolz auf seine künstlerische Leistung und empfindlich gegenüber Beleidigungen.
Als er einmal in einem Kissinger Kurhof war, machte sich eine Dame an einem der Tische über seine zwergenhafte Erscheinung lustig. Er zog kommentarlos sein Skizzenbuch hervor und begann zu zeichnen, während er immer wieder zu der Dame hinübersah. Bald kam ihr Begleiter zu dem Maler herüber und meinte, sie würde es sich verbitten, von ihm skizziert zu werden. Menzel zeigte ihm daraufhin die Seite im Skizzenbuch: Zu sehen war eine gut gemästete Gans.
Trotz seines beruflichen Erfolges blieb die „kleine Exzellenz” bescheiden. Er blieb ledig und lebte bis zuletzt gemeinsam in einem Haus mit der Familie der Schwester, die ihm den Haushalt führte. In einer der oberen Etagen befand sich sein Atelier. Menzel stand seinen Angehörigen sehr nahe. Auf gesellschaftliche Konventionen gab er nicht viel, so konnte man ihn z. B. im Garten sehen, wie er die Kinder seiner Schwester im Kinderwagen umherfuhr. In den Jahren 1860/61 war es gewiss ein seltener Anblick, einen Mann bei dieser Tätigkeit beobachten zu können.
Adolph von Menzel erhielt zahlreiche Ehrungen: Ehrendoktorwürde der Berliner Universität, Ehrenbürger seiner Vaterstadt Breslau und von Berlin, Ehrenmitglied mehrerer Kunstakademien, Ernennung zum „Wirklichen Geheimen Rat“ mit dem Prädikat Exzellenz, usw.
Orden und Titel waren ihm nicht wichtig. Er sagte einmal „Ach Lorbeer […] Der liebste Lorbeer ist mir der, den ich in der Suppe finde!”
Am 9. Februar 1905 starb der vielleicht berühmteste schlesische Maler im Alter von 89 Jahren in Berlin. Seine Beerdigung wurde auf Befehl des Kaisers Wilhelm II. als Staatsbegräbnis angesetzt, bei dem er mit seiner Familie teilnahm.
Sein Nachlass umfasst tausende von Zeichnungen und ca. 80 Skizzenbücher.
Quellen:
Gisold Lammel (Hrsg.): Eine giftige kleine Kröte – Anekdoten von Adolph Menzel, Eulenspiegel Verlag, Berlin (1997)
Gisold Lammel (Hrsg.): Exzellenz lassen bitten – Erinnerungen an Adolph Menzel, Reclam-Verlag, Leipzig (1992)
Zum Weiterlesen:
Masterarbeit über Adolph Menzel (Karl-Franzens-Universität Graz)
Die Bergstadt, 1928/29 Band 1 H. 6 Seite 489 – 497 (Ahnen und Stammbaum)
Ahnentafeln berühmter Deutscher, Band 1, ab Seite 119
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