Am Dienstag, den 12. Juli 1910 um 5 Uhr früh startete der Lenkballon Parseval V vom Flugplatz „Wilhelmsruh“ in Breslau mit dem Ziel Bad Altheide. Es herrschte wunderbares Flugwetter mit guten Sichtverhältnissen. In der Gondel befanden sich Hauptmann Dinglinger, der Ballonmeister und ein Steuermann. Zur gleichen Zeit setzten sich auch zwei Automobile in Richtung Altheide als Begleitfahrzeuge in Bewegung.

Man folgte der Eisenbahnstrecke Breslau – Glatz. Um 6:45 Uhr überflog der Ballon Münsterberg und um 7:30 Uhr Kamenz. Fast die ganze Stadt Glatz war auf den Beinen und sammelte sich in den Straßen, am voraussichtlichen Landeplatz, auf den Dächern, Balkonen und an den hochgelegenen Fenstern der Häuser, um den in geringer Höhe zwischen Schäferberg und Festung herannahenden Lenkballon zu beobachten und einen begeisterten Empfang zu bereiten. Auf dem Puhuberg wurde um 8:20 Uhr eine Zwischenlandung eingelegt, nachdem unter lauten „Hurrarufen“ der Zuschauer mehrere Runden über ihren Köpfen geflogen worden waren. Das Füsilier-Regiment Graf Moltke war zur Hilfestellung und Sicherung des Landeplatzes angetreten. Das Publikum hatte nun die Gelegenheit, das über 40m lange Luftschiff aus der Nähe zu besichtigen.
Nach einer zweistündigen Rast erfolgte der erneute Aufstieg. Nun befand sich auch der erste Vorsitzende der Ostdeutschen Flugindustrie, Rechtsanwalt Dr. Bohn aus Breslau, als Passagier in der Gondel. Von Glatz aus ging die Fahrt in gerader Linie weiter über die Dörfer Nieder- und Oberschwedeldorf hinweg seinem Ziel entgegen.
Bereits um kurz vor 11 Uhr vormittags traf der Lenkballon in Bad Altheide ein, wo er bei strahlendem Sonnenschein einige Schleifen flog und bei der Landung auf einer Wiese nahe den Tennisplätzen mit Jubel begrüßt wurde. Es hatten sich ca. 3.000 Personen auf den Kurplatz versammelt, um Zeuge dieses großartigen Ereignisses zu werden. Im Laufe des Tages nahm der Zustrom der Neugierigen aus der Umgebung weiter zu – trotz des erhobenen Eintrittsgeldes von 1 Mark.
Der Ballon wurde an der Charlottenstraße zwischen dem Kurhaus und der Töpferkoppe an einem mit Steinen beschwerten Rollwagen verankert und durch eine Abteilung Glatzer Soldaten des genannten Regiments bewacht.
Um 17:45 Uhr erfolgte ein dreiviertelstündiger Aufstieg. Neben Hauptmann Dinglinger und dem Chauffeur befanden sich Frau Hauptmann Warsitz und Fabrikdirektor Schondorff aus Ratibor mit in der Gondel. Die Rückkehr wurde erneut mit brausendem Beifall bedacht. 50 Automobile des Schlesischen Automobilklubs waren der Einladung des Breslauer Geheimen Kommerzienrats Haase gefolgt. Das Kurorchester und das Moltke-Regimentsorchester spielten Musikstücke. Den Abschluss des Tages bildete ein Feuerwerk in den Kuranlagen. Am Ende erstrahlte ein großes Herz mit der Inschrift „Bad Altheide heilt’s Herz“.
Am darauffolgenden Tag um 11 Uhr vormittags startete das Luftschiff, um weiter nach Bad Kudowa zu fliegen. Wegen des starken Gegenwindes musste der Chauffeur jedoch im nahen Höllental umkehren und landete eine halbe Stunde nach dem Start bereits wieder am Ankerplatz. Nachdem am Nachmittag ein Gewitter niedergegangen war, herrschte Windstille und Parseval V konnte um 18:15 Uhr die Fahrt antreten. Diesmal waren außer Hauptmann Dinglinger und dem Monteur Leutnant Straßhausen aus Glatz, Rittergutsbesitzer Bittner aus Oberschwedeldorf und Fabrikbesitzer Mielert in der Gondel. Nach dem Flug an Reinerz vorbei (Sichtung um 18:30 Uhr) landete Parseval V unter den Augen von tausenden Zuschauern auf einer windgeschützten Wiese zwischen Tscherbeney und Kudowa in der Nähe des Kurparks.
Am Morgen des 16. Juli landete der Ballon wieder auf dem Glatzer Exerzierplatz Puhuberg. Da die Witterung sich erneut verschlechterte, wurde der Ballon zerlegt und trat die Rückreise nach Breslau per Bahn an.
Quellen:
Georg Wenzel: „Parseval V“ über der Grafschaft Glatz! In: Grofschoaftersch Häämtebärnla – Jahrbuch 2002 der Grafschaft Glatz S. 92f. (Gleicher Wortlaut in: Altheider Weihnachtsbrief 2002, S. 43ff.)
Landecker Stadtblatt vom 16. Juli 1910
Der Gebirgsbote vom 15. Juli 1910, Nr. 56, 1
Der Gebirgsbote vom 19. Juli 1910, Nr. 57, 2
Der Gebirgsbote vom 22. Juli 1910, Nr. 58, 1



