
Mei Schotz, dar ihs a frisches Blutt,
A Madel goar scharmant;
Ich woar ihr ooch gleich seelensgutt,
Kaum wie ich se gekannt.
Aus ihren bloen Gucken lacht
Der Himmel hell und kloar,
Und wenn si’s Guschel spitzig macht
Durchfährt michs wunderboar.
Mei Schotz, dar ihs a schmuckes Ding,
A Madel drall und nett;
Se dräht sich wie a Radel flink.
Goar zierlich und adrett.
De Wangen wie de Rusen blühn;
Doas macht ihr fruher Sinn.
Is stieht ihr ooch goar wunderschien
Is Grübel ei’m Kinn.
Mei Schotz, dar ihs bluß eenem gutt,
Und doas is kees wie ich;
Wie doas mir herzlich lomper thutt,
Doas froit ock sachte mich.
Und tauscht mit mir a Keenig gleich,
Ich wär besinnen mich:
A hoot und wär a noch su reich,
`N Schotz wie ich doch nich!
Der Mundartdichter und Rektor einer katholischen Knabenschule in Breslau Hermann Bauch (1856 – 1924) stammte aus Heidersdorf bei Nimptsch. Er veröffentlichte mehrere Bücher mit Gedichten und Geschichten.
Sein sehr bekanntes gedichtetes Loblied auf den schlesischen „Sträselkucha“ lernte vor 1945 jedes Volksschulkind auswendig.
Er starb nach längerem Leiden in Polkwitz bei Glogau, wo einer seiner Söhne Pfarrer war. Ein Nachruf auf ihn findet man in dem von ihm seit 1913 herausgegebenen „Gemittlichen Schläsinger“-Kalender in der Ausgabe für 1925 auf Seite 21.
Anmerkung:
Zum besseren Verständnis des Mundartgedichtes kann man es sich laut vorlesen, dann erschließen sich die meisten Wörter viel besser.
Quellen:
Bild, Zitat und Anzeige: Der Gemittliche Schläsinger. Kalender für die Provinz Schlesien, Jg. 35, 1917 – Śląska Biblioteka Cyfrowa, Seite 29

