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Ludwig Brieger

Portrait von Prof. Dr. Ludwig Brieger

Ludwig Brieger war ein bedeutender Arzt, Medizinschriftsteller und Forscher auf den Gebieten der Pharmakologie, Infektiologie, Immunologie, Bakteriologie und Physiotherapie.

Seine Forschungsergebnisse legten den Grundstein für die Toxikologie, indem er die chemische Natur bakterieller Gifte aufklärte und sie unterstützten indirekt die Entwicklung von Impfstoffen und Seren gegen Krankheiten wie Diphtherie und Typhus.

Ludwig Brieger wurde am 26. Juli 1849 in Glatz geboren. Seine Eltern waren Salomon Brieger und Caroline geb. Rowack. Die Familie gehörte zur jüdischen Gemeinde.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Geburtsstadt nahm er 1868 in Breslau das Studium der Medizin und der Chemie auf. Im Jahr 1875 promovierte Brieger in Straßburg zum Doktor der Medizin mit seiner Dissertation „ Beiträge zum Lungenbrand“. Darin untersuchte er den Infektionsprozess und die Aspekte der chemischen Pathologie des Lungenmilzbrands. 

Nach kürzeren Assistenten-Tätigkeiten und postgradualen Studien in Wien, Berlin, Breslau und Bern arbeitete er ab 1878 sehr erfolgreich in Berlin, wo man ihn bereits 1879 zum Assistenzarzt an der Charité ernannte.

Ludwig Brieger war Assistent führender Persönlichkeiten wie Julius Cohnheim, Heinrich Quincke, Friedrich von Frerichs, Ernst von Leyden und Rudolf Virchows Nachfolger Max Jaffé (ebenfalls ein Schlesier) tätig war, bevor er an der Friedrich-Wilhelms-Universität 1881 Privatdozent, 1887 Titularprofessor, 1890 außerordentlichen Professor für spezielle Pathologie und Therapie und 1899 ordentlicher Professor für Innere Medizin und Allgemeine Therapie wurde. 

Anekdote zu Ludwig Brieger
Anekdote aus der Spangenberger Zeitung, 19. Februar 1950

Zusätzlich zu seinen akademischen Aufgaben leitete Brieger ab 1891 die Universitätsambulanz für Infektionskrankheiten und erhielt 1900 für seine Verdienste um die Medizin den Titel Geheimer Medizinalrath.

Er galt in den jedem der Forschungsbereiche Pharmakologie, pharmazeutische Chemie, Bakteriologie, Pathologie und Therapeutik als Autorität. Unter anderem erforschte er Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten (z. B. Tuberkulose und Diphterie) und Bakteriengifte. Bekannt wurde er vor allem durch seine Pionierarbeiten zu bakteriellen Toxinen und Toxalbuminen (giftige Pflanzenproteine). 1888 prägte er den Begriff „Toxin“ (vom griechischen „Toxikon“ für Gift) zur Beschreibung giftiger, von Bakterien abgesonderter Substanzen.

Außerdem beschäftigte er sich mit der Zusammensetzung und Wirkungsweise von Giften, die in kolonialen Kontexten vorkamen, besonders Pfeilgifte, Schlangengifte und Pflanzengifte aus afrikanischen Regionen (Kamerun und Gabun). Unter anderem arbeitete Ludwig Brieger mit dem Entdecker des ersten Antibiotikums Paul Ehrlich (noch ein Schlesier), Robert Koch und mit Carl Fraenkel, Emil von Behring und Shibasaburo Kitasato zusammen. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er in zahlreichen Büchern und in medizinischen Fachzeitschriften. Er genoss in Ärztekreisen international hohes Ansehen.

Briegers Vorlesungen betonten die Integration pathologischer Erkenntnisse in die klinische Praxis, insbesondere die Anwendung chemischer Analysen in der Diagnostik und die Rolle von Therapeutika (Heilmitteln) bei der Behandlung innerer Erkrankungen. Die Betreuung und Förderung von Medizinstudenten, Assistenzärzten und Assistenten in ihrer praktischen Ausbildung war ihm ein besonderes Anliegen.

Prof. Dr. Ludwig Brieger starb am 18.10.1919, nur wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag in Berlin.

Todesanzeige von Ludwig Brieger
Todesanzeige aus dem Berliner Tageblatt, 21.10.1919, Morgenausgabe

Die Hinterbliebenen waren:

Seine Ehefrau Adele Brieger geb. Pacully.

Der Sohn Dr. phil Walter Georg Brieger, geboren am 15. September 1891 in Berlin (StA Berlin Nr. 4224/1891).

Die Tochter Kät(h)e Lina Schlesinger geb. Brieger, geboren am 18. Januar 1885 in Berlin (StA Berlin Nr. 231/1885).

Deren Ehemann Lothar Max Louis Egon Schlesinger, geboren am 15. Mai 1880 in Ratibor, Oberschlesien, ebenfalls jüdischer Religion. Die beiden hatten am 8. April 1911 in Berlin geheiratet (StA Charlottenburg Nr. 218/1911).

Käte und ihr Mann lebten später in Porto Alegre, Brasilien.

Artikel über Ludwig Brieger von 1901
Artikel über Ludwig Brieger in der illustrierten Familien-Zeitschrift “Für alle Welt” von 1901

Quellen:

Eintrag bei Grokipedia (AI)
Artikel in “Für alle Welt”, 1901
Spangenberger Zeitung, 19. Februar 1950

Anm:

In unterschiedlichen Quellen werden abweichende Jahreszahlen für Ernennungen genannt.

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