Kategorien
Grafschaft Glatz Kultur

Neujoahrswensche

Neujahrskarte

Vor fast 80 Jahren hielt der in Lewin geborene Lehrer, Heimatschriftsteller und Komponist Georg Hartmann (1887 – 1954) seine Wünsche für das neue Jahr in einem Gedicht fest.

Neujoahrswensche fier 1947

Woas wensch mer ons eim neua Joahre?
Bescheidne Dinge ock a poare:
A gutt meebliertes woarmes Stiebla
On emmer woas eis Maachagriebla,
Genunk Katoffan on Gemiese,
On guude Ordnung ein Gekriese,
A Klempla Putter olle Wocha,
A Steckla Flääsch on Soppaknocha,
A beßla Quork mit Salz on Zweppel,
Derzuune Knoblichworscht, ‘n Zeppel,
A Garniturla Kechatäppe,
Eim Kaaler a poar Weißkrautkäppe,
Zum Oaziehn woas – on’ ganze Schuhe,
A Träppla Melch vo Nockwersch Kuhe,
‘n Schessel Goalerte mit Schwoarta,
A Nääjla Toobak aus’m Goata,
A beßla Mahl zu Kließlatääche,
A Hoffnungsstärnla of’m Wääche,
A beßla Arbt bei rechtem Luhne,
Gedold on Spucke nooch derzuune,
A Teppla Kaffe, echt on sisse,
‘n kaala Koop on woarme Fisse,
On doaß ma endlich aa nooch hätte,
A wääches, on a woarmes Bette;
A beßla Liebe voo a andarn,
Die aus der Häämt nee mußta wandarn,
On Wenter, Frihling, Herbst on Sommer
Halt ohne jeda gruußa Kommer,
Vom Herrgoot a poar melde Blecke,
A kläänes Tittla Laabasglecke,
On doß ons gett a gutt Geschecke
Die liebe, liebe Häämt zurecke!

Wenn man sich das Gedicht laut vorliest, erschließt sich in den meisten Fällen die Bedeutung der unbekannten Worte in der Mundart der Grafschaft Glatz. In der “Übersetzung” reimt es sich leider nicht mehr so schön:

Neujahrswünsche für 1947

Was wünschen wir uns im neuen Jahr?
Bescheidene Dinge nur ein paar:
Ein gut möbliertes warmes Stübchen
Und immer was ins Magengrübchen,
Genug Kartoffeln und Gemüse,
Und gute Ordnung in den Eingeweiden,
Ein Klümpchen Butter jede Woche,
Ein Stückchen Fleisch und Suppenknochen,
Ein bisschen Quark mit Salz und Zwiebel,
Dazu Knoblauchwurst, ein Zipfel,
Ein Garnitürchen Küchentöpfe,
Im Keller ein paar Weißkrautköpfe,
Zum Anziehen was – und ganze Schuhe,
Ein Tröpfchen Milch von Nachbars Kuh,
eine Schüssel Sülze mit Schwarten,
Eine kleine Menge Tabak aus dem Garten,
Ein bisschen Mehl für Kloßteig,
Ein Hoffnungssternchen auf dem Wege,
ein bisschen Arbeit bei rechtem Lohn,
Geduld und Spucke noch dazu,
Ein Töpfchen Kaffee, echt und süß,
Ein kühler Kopf und warme Füße
Und dass man endlich auch noch hätte,
Ein weiches, und ein warmes Bett;
Ein bisschen Liebe von den anderen,
Die aus der Heimat nicht mussten wandern,
Und Winter, Frühling, Herbst und Sommer
Halt ohne jeden großen Kummer,
Vom Herrgott ein paar milde Blicke,
Ein kleines Tütchen Lebensglück,
Und das uns gibt ein gutes Geschick
Die liebe, liebe Heimat zurück!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert