Der Stellenwert von Koch- und Backrezepten als wichtiges Element des kulturellen Erbes wird in der Literatur oft vernachlässigt. Zwar wurden sie früher meist an die folgende Generation weitergegeben, aber dies erfolgte selten in schriftlicher Form. Jede Hausfrau nahm kleine Anpassungen vor. Dies lag entweder an den wirtschaftlichen Gegebenheiten, ihrem individuellen Können oder dem persönlichen Geschmack.
Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass es nicht „das Rezept“ schlechthin für eine Mohnkranzlänge gibt. Darüber hinaus findet man in alten schlesischen Kochbüchern oft nur spärliche Angaben zu Mengen, Backtemperaturen oder Zutaten.
Daher wurde sich hier an ein Grundrezept angenähert, dass sich auf die größtmögliche Schnittmenge der gefundenen Rezeptvarianten beschränkt (davon später mehr) und Spielraum für Abwandlungen lässt. Bestimmt haben viele Familien z. B. ein eigenes Rezept für die Mohnfüllung.
Für den Teig:
400g Mehl
80g Zucker
80g weiche Butter
150ml Milch
1 kl. Prise Salz
1 Pck. Vanillezucker
½ Würfel frische Hefe
1 Eigelb
Die Milch etwas erwärmen und mit 1 EL Zucker und der klein gebröselten Hefe vermischen. Vorteig ca. 15min. gehen lassen.
Die übrigen Zutaten abwiegen und das Ei trennen.
Alle Zutaten am besten von Hand 10 min. gut kneten. Der Teig löst sich vom Schüsselboden und bekommt Glanz. Abgedeckt für 45-60min. an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich der Teig deutlich vergrößert hat.

Während dieser Zeit kann man die Füllung und Streusel vorbereiten.
Mohnfüllung:
200g Mohn, gemahlen
150ml Milch
40g Butter
80g Zucker
Die Milch in einem Topf mit Zucker und Butter erhitzen. Den Mohn zugeben und für 1-2 min. aufkochen. Zum Abkühlen beiseitestellen.
Streusel:
80g Mehl
40g Zucker
1 TL Vanillezucker
50g Butter
Alle Zutaten nicht zu fein verkneten und abgedeckt in den Kühlschrank stellen.
Nach der Gehzeit:
Den Teig noch einmal kurz kneten und dann relativ dünn auf annähernd Backblechgröße ausrollen. 2/3 der Teigplatte gleichmäßig mit der Füllung bestreichen. Zunächst die unbestrichene Seite bis zur Mitte der bestrichenen Seite klappen, dann die andere Seite darüberlegen.

Streusel gleichmäßig darauf verteilen und nochmals 15min. gehen lassen.
Im vorgeheizten Backofen ca. 35min. bei 180° C (Ober- und Unterhitze) backen.
Guß (optional aber empfehlenswert):
4 EL Puderzucker
ca. 2 EL Wasser
Puderzucker und Wasser zu einem geschmeidigen Guss glattrühren und die noch warme Mohnkranzlänge damit beträufeln.

Man schneidet pro Portion 2-3cm breite Streifen ab (Guten Appetit!).
Wie man sieht, ist die Herstellung der Mohnkranzlänge durch die vielen Arbeitsschritte recht aufwändig. In früheren Zeiten war es bestimmt kein alltägliches Backwerk, sondern nur für Festtage bestimmt.
Hier einige Beispiele, welche anderen Zutaten in Rezeptvarianten auftauchten:
Hefeteig: Mit oder ohne Ei/Eigelb, vor dem Auftragen des Streusels mit Wasser bestreichen, keine Butter verwenden
Füllung: Mit Zimt, Zitronen- oder Orangenschalenabrieb, Rosinen, Rum, Ei, Grieß, Mandelblättchen, gemahlenen Nüsse, Mohn mit Wasser über Nacht gebrüht, mit Pflaumenmus, Semmelbröseln, geriebener Schokolade
Streusel: anderes Mischungsverhältnis, kein Vanillezucker, Zimt
Guß: mit Milch oder etwas Alkoholischem

Alte Schlesische Kochbücher online:


2 Antworten auf „Schlesische Mohnkranzlänge“
Ich danke für den Beitrag. In Südtirol Stand jedem Knecht etc. so und so viel Mon zu. War das auch in Schlesien so?
Hallo Herr Pawolleck,
Knechte und Mägde bekamen Kost und Logis auf dem Hof, einzelne Kleidungsstücke und etwas Geld. Mir ist nicht bekannt, ob sie auch Naturalien bekamen.
Mohn als Entlohnung machte in Schlesien vermutlich nicht viel Sinn, da die Bediensteten in den meisten Fällen keinen eigenen Haushalt für die Zubereitung von Kuchen usw. hatten und Mohn nicht lange haltbar ist. Natürlich können hier auch Einzelvereinbarungen getroffen worden sein, es war aber nicht üblich. Mohn wurde meist nur in kleinerem Maßstab für den Eigenbedarf angebaut. Da die Bediensteten mit der Familie am Tisch aßen, würde ich erwarten, dass sie auch ihren Anteil am Mohnkuchen bekamen (zumindest in den ländlichen Gebieten).
Viele Grüße
Astrid Kreuz