Bekanntermaßen schlagen Blitze bevorzugt in die höchsten Punkte der Umgebung ein, wie zum Beispiel Türme, hohe Bäume oder Berggipfel.
Während eines Unwetters im Jahr 1675 traf ein Blitzschlag die auf einem 627 Meter hohen Granitfelsen gelegene Burg Kynast bei Hirschberg im Riesengebirge. Sie brannte völlig aus und wurde nicht mehr aufgebaut.
Heftige Gewitter mit zahlreichen Blitzen, besonders in den Sommermonaten von Ende Mai bis Ende August, waren und sind in der Grafschaft Glatz keine Seltenheit.
In der Silhouette der „Bergstadt“ Habelschwerdt fallen besonders die hoch aufragenden Türme der katholischen Stadtpfarrkirche St. Michael und des Rathauses auf dem Ring auf. In der Chronik der Stadt finden sich einige Einträge für Blitzschläge, hier nur einige Beispiele:
Im August 1505 schlug der Blitz während der Predigt durch den Turm in die Kirche ein. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt. Im Juli 1570 wiederholte sich dies, drei Menschen wurden getötet, 14 Personen erlitten Brandwunden. Nur einen Monat danach wurde erneut die Stadtpfarrkirche getroffen. Fast 20 Jahre später schlug der Blitz diesmal in den Rathausturm ein und tötete das Mädchen Justina Lichtensteiner, des Stadtpfeiffers Tochter, in der Turmwächterstube. Im Mai 1667 wurde erneut der Ratsturm getroffen, diesmal brannte er bis zum Kranz ab. Im Juli 1671 war erneut der Kirchturm betroffen.
Bevor der Amerikaner Benjamin Franklin (1706 – 1790) im Jahr 1752 nachweisen konnte, dass es sich bei den Blitzen um eine massive elektrische Entladung handelte, versuchte man sich vorwiegend durch Wetterläuten vor der Gefahr eines Einschlages zu schützen. Von der Gemeinde beauftragte Einwohner hatten bei einem aufziehenden Unwetter die Glocken der Kirche zu läuten, wofür sie eine Entschädigung, meist in Naturalien, erhielten. Man glaubte, der Klang der geweihten Glocken würde überall dort Blitze fernhalten, wo man das Läuten hören konnte. Das Wetterläuten war aber nicht ungefährlich, denn bekanntermaßen haben Metalle eine exzellente Leitfähigkeit und die räumliche Nähe zu massiven Kirchenglocken ist während eines Gewitters keine gute Idee.
Nach seinem Nachweis installierte Franklin an seinem Haus und der von ihm gegründeten Akademie von Philadelphia frühe Blitzschutzeinrichtungen, stellte 1753 der Öffentlichkeit die Wirkungsweise des Verfahrens zum Gebäudeschutz vor einem Blitzschlag vor und verbesserte sie schrittweise in den folgenden Jahren.
Seine Erfindung erregte großes Aufsehen, stellte doch ein Gewitter in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine permanente Gefährdung vor allem für Kirchtürme und Pulvermagazine dar.
Ein Kuriosum dabei ist der Einfluss auf die französische Mode der 1770er Jahre. Es wurden Blitzableiterhüte für Damen angeboten. Ein aus Metallfäden gewobenes Band war in die breite Krempe eingearbeitet und mit einer Silberkette verbunden, die über den Rücken der seidenen Bekleidung bis zum Boden reichte, wo bei einem Blitzschlag die Elektrizität abgeleitet werden sollte. Für den Herrn gab es Regenschirme mit einer vergleichbaren Konstruktion.
In Schlesien gilt der Pädagoge und Naturforscher Johann Ignaz von Felbiger (1724−1788) als Reformer des katholischen Schulwesens und Verfasser von Büchern für den Gebrauch im Schulunterricht. Er war von 1758 bis 1778 Abt des Saganer Chorherrenstifts. Auf dem Dach der Stadtpfarrkirche ließ Felbiger 1770 einen Blitzableiter anbringen – den ersten in Schlesien. Dies erregte großes Aufsehen, zahlreiche Bedenken wurden geäußert und die Konstruktion als „Teufelswerk“ angesehen. Dadurch fühlte sich Felbiger veranlasst, eine aufklärende Abhandlung über Blitzableiter zu verfassen.

Nach und nach folgten andere Bauwerke dem Saganer Beispiel. Die Kirche von Eckersdorf erhielt 1791 einen Blitzableiter, damals noch immer eine Seltenheit in der Grafschaft Glatz. 1805 bekam auch der Rathausturm in Habelschwerdt seinen Blitzableiter. Die Berichte von großen Schäden an Gebäuden wurden wohl immer seltener, aber hin und wieder findet man doch Berichte über besondere Vorkommnisse.
Im August 1845 schlug ein Blitzstrahl eines Nachts den kupfernen Knopf des Glatzer Torturms in Habelschwerdt herunter und im Jahr 1883 wurde die Pfarrkirche St. Nikolaus in Reyersdorf durch einen Einschlag zerstört und musste anschließend wieder aufgebaut werden.
Quellen:
Tost, Alfred: Blitzableiter, „ein Eingriff in die Allmacht Gottes“. Jahrbuch der Schlesier 2007, 29. Jahrgang, Helmut Preußler Verlag, Nürnberg, Seite 101f.
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